R.E.M. Automatic For The People (25th Anniversary)

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Die Flut von Wiederveröffentlichungen, von Deluxe- und Special- und Anniversary-Editionen erweckt zuweilen den Eindruck, dass die Pop-Archive voll von unveröffentlichten Meisterwerken sind. R.E.M. haben ihre Meisterwerke einfach ganz regulär veröffentlicht, in ihrer kreativsten Phase sogar in für heutige Maßstäbe winzigen Abständen.

Die Arbeit an „Automatic For The People“ begann bereits wenige Monate nach dem Erscheinen von „Out Of Time“ (1991) und zog sich bis Mitte 1992. Auf stressige Tourneen konnte die Band damals verzichten. „Out Of Time“ hatte sich mehr als gut verkauft, weltweit circa 18 Millionen Mal. „Automatic“ wiederholte den kommerziellen Erfolg. Mancher Indie-Purist mag darin noch heute den üblichen Ausverkauf an den Mainstream sehen. Doch nie war dieser Vorwurf so unsinnig.

Das Quartett aus Athens/Georgia war seinen Alternative-Rock-Schuhen schlicht entwachsen. Bill Berry, Peter Buck, Mike Mills und Michael Stipe fanden die schönsten, schwelgerischsten, herzzerreißendsten, glücklichmachendsten Songs der Zeit, John Paul Jones besorgte ein paar himmlische Orchester-Arrangements – und in den frühen Neunzigern schienen originelle Melodien noch eine gängige Währung für vordere Chartplätze zu sein. In welcher Hitparade könnte man sich heute beispielsweise eine Ballade wie „Drive“ vorstellen? Oder ein Album, das so viele Stimmungslagen bedient?

„The Sidewinder Sleeps Tonite“ ist der zuckersüße Powerpop geblieben, „Everybody Hurts“ die soulgetränkte Mutmachhymne, „Star Me Kitten“ das schlafwandlerische Liebeslied. Und kaum ein anderes Album hat ein so göttliches Finale wie „Automatic“ mit „Man On The Moon“, „Nightswimming“ und „Find The River“. Kurt Cobain wollte danach solche Songs schreiben, jeder Indie-Schrat wollte solche Songs schreiben. R.E.M. machten zwei Jahre später „Monster“.

Die „25th Anniversary Edition“ enthält das einzige Konzert, das die Band 1992 in Athens im Rahmen einer Greenpeace-Kampagne gab: ein ähnlich grandioses Live-Dokument wie die „Unplugged“–Mitschnitte. Auf einer weiteren CD sind Demos und Instrumentalskizzen zu hören, manchmal nicht mehr als Basic Tracks, über die Stipe eine Background-Stimme knödelt. Nur wenig begeistert so wie etwa das Outtake „Mike’s Pop Song“. Zudem finden sich in dem Boxset eine Blu-ray mit den bekannten Musikvideos sowie in der Deluxe-Edition das Album im neuen Dolby-Atmos-Klangformat. Das Meisterwerk steht weiter für sich allein. (Universal)

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