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Ralf Rothmann Im Frühling sterben


Der Bergmann Walter Urban bekam zur Pensionierung von seinem Sohn eine Kladde geschenkt, um seine Erlebnisse am Ende des Krieges aufzuschreiben, als er 17-jährig von seinem Job als Melker auf einem norddeutschen Gut von der Waffen-SS zwangsrekrutiert wurde. „Wozu denn noch?“, fragt der moribunde Rentner. „Hab ich’s dir nicht erzählt? Du bist der Schriftsteller.“ Und so beginnt der Sohn nach dem Tod des Vaters die Geschichte vom Frühjahr 1945 aufzuschreiben, als der Krieg längst verloren ist. Walter und sein bester Freund Fiete werden in Ungarn eingesetzt, Fiete muss an die Front und desertiert, Walter kommt in die Versorgungseinheit und lädt, obwohl er nur einen Schuss abgibt, eine Schuld auf sich, die er sein Leben lang nicht abschütteln kann. Mit großer Empathie erzählt Rothmann von denen, die unschuldig und unerfahren in den Krieg ziehen und schuldig und traumatisiert heimkehren. „Im Frühling sterben“ lässt sich als Komplementärstück zu seinem wohl besten Roman, „Milch und Kohle“, lesen. Dort beschwört er mit seinem poetischen Realismus die Erinnerung, hier die deutsche Geschichte.


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