Ryan Adams : Ashes & Fire (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Ryan Adams  Ashes & Fire


Sony


von

Plötzlich war er weg. Nachdem er seit seinem Solodebüt „Heartbreaker“ (2000) jedes Jahr mindestens ein Album veröffentlicht hatte (2005 sogar drei), erklärte Ryan Adams im Januar 2009, dass er sich zurückzieht, vielleicht für immer. Er hatte Morbus Menière, eine fiese Innenohrkrankheit, und außerdem keine Kraft mehr. Auf der Rückseite seines (unbedingt empfehlenswerten) Gedichtbands „Hello Sunshine“ wird diese Zeit so beschrieben: „Er ließ ein Leben des Nihilismus hinter sich und setzte sich nach Südkalifornien ab. Er zog 2009 aus New York weg, nachdem er wegen verschreibungspflichtiger Medikamente, die ihm schlafen helfen sollten, den Verstand verloren hatte. Er schlief ungefähr drei Monate lang nicht, verlor noch einmal den Verstand und hörte auf, die Pillen zu nehmen. Dann heiratete er seine tolle Frau. Er raucht und trinkt nicht mehr und schnüffelt nur noch die kühle Morgenluft.“

Ryan Adams ist immer noch keine 37 Jahre alt, für die ewige Rente ist das zu jung – und so kehrt er nun doch zurück. Eine Erleichterung! Man wusste die einzelnen Alben vielleicht nicht mehr richtig zu schätzen, weil es so viele davon gab, aber Jahresbestenlisten ohne Adams sahen sehr seltsam aus. Vor einigen Monaten gab er dann überraschend ein paar akustische Konzerte in Europa, zum Aufwärmen. „Ashes & Fire“ ist nun sein 13. Album (ohne Whiskeytown), zählt man das SciFi-Metal-Album „Orion“ und die Outtakes-Sammlung „III/IV“ vom vergangenen Jahr, die er allerdings schon 2006 mit den Cardinals aufnahm, dazu. Der manische Songschreiber ist jetzt allein unterwegs, begrüßt als Gäste aber Norah Jones und Keyboarder Benmont Tench, produziert hat Glyn Johns.

„Last time I was here it was raining/ It ain’t raining anymore“, so beginnt das Album mit „Dirty Rain“. Und sofort ist man wieder im Ryan-Adams-Kosmos, und es ist so wohltuend, die schleppende Gitarre zu hören. Adams war immer ein Trost, auch wenn er selbst untröstlich war – dieser Gesang, der nach Schmerz klingt und doch nach der Aussicht auf Linderung, diesmal mehr denn je. Bei „Come Home“ entwirft er ein zartes Bild vom schützenden Obdach, in „Save Me“ sucht er einen Ausweg und bei „Kindness“ eine helfende Hand, beim unwiderstehlichen „Lucky Now“ erkennt er sich selbst nicht wieder. Es geht viel um Heimkehr und Rettung, um die Möglichkeit von Glück. Und das Beste kommt zum Schluss: das unverschämt romantische „I Love You But I Don’t Know What To Say“, ein großes Versprechen, dessen Titel natürlich Quatsch ist. Ryan Adams kann auch ohne Qualen große Alben schaffen. Nebenbei schreibt er gerade an einem neuen Gedichtband und einem Roman „über eine liebenswerte Ratte“.

Beste Songs: „Lucky Now“, „I Love You But I Don’t Know What To Say“


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Ryan Adams & The Cardinals :: Cardinology


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