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Scritti Politti – Early


Frühwerke des intellektuellen Salon-Kommunisten Green Gartside

Als wir Unwissenden Green Gartside das erste Mal zu Gesicht bekamen, hatte er sich schon per Mimikry in einen Popper verwandelt: Im Mai 1985 war das, als er im „Formel Eins“-Videoüberblick auftauchte, weil sein Cocktail-Reggae „The Word Girl“ auf Platz sechs der britischen Charts war. Ein Song darüber, daß die Liebe seit Erfindung der Sprache kein körperlicher Zustand mehr ist, sondern vor allem ein Begriff. Für die Erkenntnis hätten ihn Roland-Barthes-Leser nur ausgelacht, während akademisch uninteressierte Hörer noch heute davon überfordert wären. Traurigerweise gilt Green alias Scritti Politti, der erste im postmodernen Sinn intellektuelle Popstar, trotz seiner Erfolge ab Freak der Geschichte.

Rechtschaffene, aber dämliche Punkrocker hatten eben mehr Antrieb als Salon-Marxisten – Green blieb einsam, weil viele Gleichgesinnte es nie zu zwei so fantastischen Alben wie „Songs To Remember“ und „Cupid And Psyche ’85“ bringen konnten. „Early“ ist die überfällige Compilation mit den 13 Stücken seiner ersten vier Singles und EPs (1978 – ’81), und sie zeigt, was für eine selten glückliche Fusion aus Schlaukopf und Aktivist Green war: Auf dem Cover der Debüt-Single „Skank Bloc Bologna“ gaben Scritti Politti (damals noch eine echte Band) die genauen Produktionskosten sowie die Telefonnummern von Preßwerk und Druckerei an, ein politischer Akt, die Entmystifizierung des eigenen Künstler-Status. Green war Jung-Kommunist und natürlich Kunststudent, und obwohl er diese zerschlissenen, dünn produzierten Punk-Reggae-Songs inzwischen belächelt, klingt das unwiederbringlich gut: Ungeduld mit belesener Bedächtigkeit. Würde heute eine Band so etwas spielen, würde man sie auf Händen viermal um den Block tragen.

In den Texten geht es um die OPEC, den deutschen und italienischen Faschismus, die Marktwirtschaft und immer wieder um die Produktionsbedingungen von Popmusik. Green wollte kein Volksaufklärer im Brechtschen Sinn sein, sondern Bedeutungen aufeinanderprallen lassen, wie in einem großen Wort-Billard. Eine ganz essentielle Punk-Dokumentation.


Die ultimativen 20: Hier ist die Oster-Playlist

Es würde vielleicht nicht jeder den Billy-Joel-Song „The Downeaster Alexa“ in einer Oster-Playlist durchgehen lassen. Die Qualifikation der folgenden 20 Titel dürfte allerdings unstrittig sein. 01. Nat King Cole – „Easter Sunday Morning“ 02. UNKLE feat. Thom Yorke – „Rabbit In Your Headlights“ 03. Iron & Wine – „Rabbit Will Run“ 04. Joanna Newsom – „Jackrabbits“ 05. Sufjan Stevens – „Enjoy Your Rabbit“ 06. Animal Collective – „Who Could Win A Rabbit“ 07. Florence + The Machine – „Rabbit Heart (Raise It Up)“ 08. Captain Beefheart & His Magic Band – „A Carrot Is As Close As A Rabbit Gets…
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