Serie der Woche: „Ruby“



von

Gibt es wirklich noch Frauen unter 50, die eine übermäßige Leidenschaft für die Kirmes hegen und „Traumschiff“ gucken, wenn sie einsam sind? Irgendwie wirkt diese Rubina (Anna Böger) nicht, als lebte sie im Jahr 2022, auch wenn nebenbei Themen wie Social-Media-Overkill und Sexismus gestreift werden. Insgesamt bleibt „Ruby“ so harmlos wie knallbunte Zuckerwatte.

Dabei stammt das Drehbuch von Giulia Becker, die als Schreiberin für Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ und „Die Carolin Kebekus Show“ schon eine Menge fieser Gags drauf hat – nur zünden die hier eher selten. Die achtteilige Serie ist angelehnt an das BBC-Original „Miranda“, doch Miranda Harts Tollpatschigkeit hatte mehr herben Charme, die amerikanische Variante „Call Me Kat“ mit Mayim Bialik (Amy Farrah Fowler in „Big Bang Theory“) ebenso. Hier wirken sowohl die Szenen in der Bank (natürlich mit einem unfähigen Chef) als auch die privaten Katastrophen (natürlich mit einer übergriffigen Mutter) zu gewollt witzig, und das Ständig-in-die-Kamera-Sprechen ist schon ein recht alter Zopf. Das Unterhaltsamste sind Anna Bögers Grimassen. (ZDFneo)


ÄHNLICHE KRITIKEN

Serie der Woche: „The Old Man“

Mit Jeff Bridges, John Lithgow, Amy Brennerman

Serie der Woche: „Uncoupled“

Mit Neil Patrick Harris, Tisha Campbell, Emerson Brooks

Serie der Woche: „Bad Sisters“

Mit Sharon Hogan, Anne-Marie Duff, Eva Birthistle


ÄHNLICHE ARTIKEL

Serie der Woche: „Das Begräbnis“

Der ARD-Sechsteiler mit improvisierten Dialogen und toller Besetzung ist schrecklich realistisch, manchmal kippt er ins leicht Groteske.

Serie der Woche: „Die Discounter“

Vieles wurde an nur 23 Drehtagen improvisiert, das meiste ist tatsächlich sehr lustig. Es gibt ein bisschen zu viel Fäkalhumor und billige Pointen, doch was wirklich schade ist: Dass die Staffel mit einem Würgereiz endet – und zwar bei Folge neun, während in der zehnten dann nur noch ein Making-of gezeigt wird.

Serie der Woche: „American Rust“

Nüchtern-intensive Erzählung von trostlosen Lebensentwürfen, falschen Entscheidungen, von Schuld und Sühne – letztlich ein Drama vom Niedergang der amerikanischen Mittelschicht.