Serie der Woche: „Schwarzes Gold“
Wilder Westen in Niedersachsen: Warum die ARD-Serie auch unter dem großen Hans Zimmer leidet
Das ist nicht Wyoming, Utah, Texas oder Arizona, sondern Niedersachsen. Und doch riecht es nach Wilden Westen, nach Pferden und Schießpulver, wenn hier zwei Familien, die Panamahüte tragen, die wie Cowboyhüte aussehen, aneinandergeraten: Hier der Viehzüchterclan Pape, dort die verarmte Bauernfamilie Lambert. Anfangs hält Wilhelm Pape (Tom Wlashiha, der wieder mal den Schurken spielen muss) wenig vom Vorschlag seines Sohnes Richard (Aaron Hilmer aus „Im Westen nichts Neues“) nach Öl zu suchen. „Was sollen wir mit noch mehr Wagenschmiere?“, fragt er: „Wir sind Viehzüchter!“ Doch als plötzlich ein britischer Ölhändler mit einem dieser neumodischen Automobile vorfährt, wittert Pape das große Geschäft. Und weil es sich im Wald der Lamberts besser nach Öl bohren lässt, geht Pape bald schon über Leichen, um sich zu holen, was er will. Doch er hat seine Rechnung ohne Johanna Lambert (Harriet Herbig-Matten aus „Maxton Hall“) gemacht, die im Dorf einen Aufstand gegen Pape anzettelt.
Während das Regieteam Tim Trachte und Nina Wolfrum die Akteure durchs Museumsdorf Hösseringen in der Lüneburger Heide reiten lässt, wird mit Mundharmonikamelodien und Gitarrenakkorden versucht, die Lücke zwischen „Winnetou“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu schließen. Die Produzenten dieses Sechsteilers haben Hans Zimmer als Komponisten engagiert. Und weil so ein Oscar-Gewinner bestimmt nicht billig zu haben ist und sich so eine Investition lohnen muss, vergeht kaum eine Sekunde in der Serie, in der keine Musik dickflüssig durch alle Lücken der Geschichte trieft. Aber auch die stets bedeutungsschwanger daherkommenden Großaufnahmen und plumpen Dialoge machen diese Erzählung von Gier, Verrat, Intrigen und Rache so klebrig-zäh wie das Öl, um das es in „Schwarzes Gold“ geht. (ARD Mediathek)