The Beatles

The White Album

EMI

Gibt es jemanden, den der Erstkontakt mit diesem wildgewordenen Doppelalbum nicht verstört hätte? Bei dem mehr Fragezeichen als Antworten entstanden? Der nicht nach einem roten Faden, einem stilistischen Fingerzeig, einem Sinn hinter Klangkaskaden wie dem abstrakten „„Revolution 9“ gelechzt hätte? Klar ist, dass dieses Album wie nur wenige andere die Dysfunktionalität einer Band widerspiegelt, deren Mitglieder sich aus den Augen verlieren. Kaum ein Song wirkt so, als ob er für dieses Doppelalbum gemacht wäre – doch erst ihre sperrige, kaum zu dechiffrierende Gesamtheit an Einflüssen, Zitaten, Ideen, Stilen, Instrumenten und Momenten macht dieses Werk so einzigartig. Alle vier Mitglieder bezeugen in ihren jeweiligen Momenten (denn erstmals durfte sogar Ringo einen Song schreiben), dass die Band als Kollektivgedanke todgeweiht war. Vielmehr diente die Marke „Beatles“ den Vieren als Plattform, die eigenen Antriebe auszuprobieren, neue Grenzen auszuloten und, wie man inzwischen weiß, erste Stilmarken für sich anbahnende Solokarrieren zu setzen. Und doch gelangen ihnen trotz dieser bandinternen Funktionsstörung wie auf jedem Album einige Klassiker, ohne die die Welt weitaus ärmer wäre.