„The Flight Attendant“: Bordunterhaltung für Hyperaktive – Staffel zwei




Vor etwas über einem Jahr lieferte die ehemalige „Big Bang Theory“-Darstellerin Kaley Cuoko das zugegebenermaßen etwas hysterische Antidot zur grassierenden Lockdown-Tristesse: rasante Schnitte, Split-Screens, ein treibender Score und eine stets alkoholisierte Hauptfigur, die zu den exotischsten Plätzen der Welt jettet, um ihren Namen von einer mörderischen Verschwörung reinzuwaschen. Angesiedelt war „The Flight Attendant“ zwischen Hitchcock (das schicke Saul-Bass-artige Intro) und ADHS-Reiseführer, „Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs“ und „Die unsichtbare Dritte“. Und war eine der vielleicht größten Überraschungen im Serienfrühjahr 2021.

Vom Lockdown sind wir in diesem Jahr noch ein Stück entfernt, dafür führen uns Flugreisen (oder ihr häufiges Ausbleiben) wieder an den Rand der Verzweiflung. Weshalb die zweite Staffel von „The Flight Attendant“ genau rechtzeitig kommt, um unsere angestauten Aggressionen und Enttäuschungen irgendwohin zu kanalisieren. Zwar ist Flugbegleiterin und Teilzeit-Agentin Cassie Bowden (Kaley Cuoko) mittlerweile seit einem Jahr trocken und in einer glücklichen Beziehung, weniger stressig macht das ihren Alltag (oder den Inszenierungsstil der Serie) aber auch nicht. Im Gegenteil: Nachdem sie bereits in der ersten Staffel zeigen konnte, dass sie mehr ist als nur das hübsche Love-Interest von Sitcom-Nerds, dreht sie diesmal vollkommen ab (und auf). Der Grund dafür liegt nicht nur in einem Anschlag in Berlin und der daraus folgenden Erkenntnis, dass eine Doppelgängerin sich durch die Weltgeschichte morden könnte, sondern auch in ihren Kämpfen mit inneren Dämonen. Denn jedes Mal, wenn der Stress wieder überhandnimmt, gerät auch ihr Abstinenzvorhaben ins Wanken. Regelmäßig illustriert durch surreale Zwiegespräche mit ihren verschiedenen Persönlichkeiten, die diesmal fast noch mehr Platz einnehmen dürfen als sonst. Abermals findet sich die Damsel in Distress inmitten einer mörderischen Verschwörung wieder, deren serielle Entfaltung einem Speed-Date mit einer hyperventilierenden Chaos-Queen gleicht.

Das ist zunächst mal vor allem eines: (Fast) genauso unterhaltsam wie die flott inszenierte und mit knackigen Dialogen gespickte erste Season. Aber auch ein gutes Stück stressiger für den Zuschauer. Denn anstatt auf die etablierte Mischung aus Spionage-Thriller, Comedy und Selbstfindungsdrama zu vertrauen, wird hier noch einmal eine ordentliche Schippe an Wahnsinn oben draufgelegt: Mehr Thrill, mehr Verschwörung, mehr Verwirrung und noch mehr Cassie Bowden.

Das ist gut für Cuoko-FetischistInnen, die ihre Heldin fast in jedem der gesplitterten Frames wiederfinden, die das Bild in bester „24“-Manier zerteilen. Nicht so gut aber für diejenigen, die im Verlauf einer rund 45-minütigen Episode auch mal kurz Durchschnaufen möchten. Den Beruhigungsdrink brauchen ZuschauerInnen da schneller, als Cassie „Rückfall“ auch nur denken kann …

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