Highlight: The Rolling Stones: Making of „Let It Bleed“

The Rolling Stones Studio Albums Vinyl Collection 1971–2016


Während sich die Stones nur periodisch und in kleinen Schritten der Fertigstellung ihres nächsten Studioalbums nähern, seit immerhin schon gut drei Jahren, wird die Wartezeit mit einem Boxset überbrückt. Schon wieder, werden manche Fans sagen, denn das letzte liegt erst acht Jahre zurück und umfasste dieselben Werke außer „Blue & Lonesome“. Nun also noch mal, aber als Upgrade, in hochwertigerer Ausstattung und besserer Pressung.

Man hat viel richtig gemacht, nicht am falschen Ende gespart. Das beginnt bei der schmucken Box und endet nicht bei Minuzien der Cover-Replicas. Der Reißverschluss bei „Sticky Fingers“, die Postkarten bei „Exile On Main St.“, die Cut-outs bei „Some Girls“, die rote Plastikfolie bei „Dirty Work“ – alles da. Die 15 Alben stecken jeweils in Plastikschutzhüllen, die 20 einzelnen Platten in gefütterten Innersleeves, die bedruckten liegen bei – vorbildlich.

„Mean Disposition“ fehlt

Auch klanglich wird ordentlich gewuchert, das Mastering erfolgte im Halfspeed-Verfahren in den Abbey Road Studios, wobei das erzielte Klangbild definierter und detaillierter ausfällt als auf früheren Editionen. Das kommt etwa „Tattoo You“ zugute, nimmt aber „Black And Blue“ ein wenig von seiner Funkiness und Rabaukigkeit. Die Beurteilung muss uneinheitlich ausfallen, weil die analogen Aufnahmen der Siebziger durch das Remastering nicht gewinnen, spätere indes nicht verlieren oder gar davon profitieren, wie „Steel Wheels“. „Blue & Lonesome“ schließlich erscheint unverändert, jedoch in optimierter Pressung.

So kurios wie ärgerlich ist die abermalige Absenz von „Mean Disposition“ auf „Voodoo Lounge“, kein Stand-out-Track, beileibe nicht, nur ein hurtiger, bissiger Rocker, der den Vinylkäufern 1994 mit Bedacht vorenthalten wurde. Eine der unzähligen Schikanen der Plattenfirmen mit dem Ziel, der Schallplatte endgültig den Gar­aus zu machen, denn „Vinyl just won’t lie down and die“, wie das Branchenblatt „Music Week“ seinerzeit schlagzeilte.

Inzwischen hat sich der Wind gedreht, Vinyl ist längst wieder ein gutes Geschäft, also wurde „Mean Disposition“ nachgeliefert, in besagtem Boxset von 2010. Und fehlt nun wieder! Ohne Bedacht diesmal, vermutlich schlicht vergessen. (Polydor/Universal)


ÄHNLICHE KRITIKEN

The Rolling Stones :: Bridges To Babylon

Desertieren sie zum Dancefloor? Machen sie einen Kotau vor der Elektronik, herrschen Endzeitstimmung und Torschlußpanik? Die Antwort, der Fan hat...

The Rolling Stones :: A Bigger Bang


ÄHNLICHE ARTIKEL

So trafen die Rolling Stones zum ersten Mal auf die Beatles

Bill Wyman erinnerte sich an den Moment im April 1963, als er bei einem Auftritt der Stones aufblickte und die Beatles im Publikum sah.

The Rolling Stones: Making of „Let It Bleed“

Durch das Album zieht sich die Spur der Apokalypse: in der sexbesessenen Verzweiflung von „Live With Me“, in Keith Richards’ giftiger Gitarre auf „Monkey Man“, aber auch im Moralismus von „You Can’t Always Get What You Want“, das Jagger in seinem Schlafzimmer schrieb.

Rolling Stones: Ronnie Wood beichtet, wie viel Spaß er mit Drogen hatte

„Ich würde heute gewiss nichts anders machen“, sagt Ronnie Wood im Trailer für „Somebody Up There Likes Me“, „aber ich würde etwas genauer hinschauen.“


The Rolling Stones: Making of „Let It Bleed“

Zwei ihrer größten Alben – "Beggar’s Banquet" und "Let It Bleed" – spiegeln eine Phase ihrer Karriere wieder, die von Konfusion, aber auch kreativem Aufbruch bestimmt war. Die Stones nahmen beide Alben zwischen 1968 und 1969 auf, verloren in dieser Zeit einen Gitarristen (Brian Jones), engagierten einen neuen (Mick Taylor), filmten den "Rolling Stones Rock And Roll Circus", tourten in den USA und gaben außergewöhnliche Konzerte in London (Hyde Park) und außerhalb von San Francisco (Altamont). Und sie waren damit beschäftigt, die sich überschlagenden Ereignisse der 60er Jahre selbst zu verarbeiten. Insofern konnte es nicht überraschen, dass "Let It Bleed"…
Weiterlesen
Zur Startseite