The Verve: Forth (Kritik & Stream) - Rolling Stone






The Verve Forth


EMI


von

Wenn sich Richard Ashcroft nicht gerade durch den „Bittersweet Symphony“-Videoclip rempelte, wirkte er immer schon wie einer, der in einem Zustand zwischen Schlafen und Wachen gefangen wäre. Wenn er jetzt zu der absteigenden Klaviermelodie in „I See Houses“ singt „I get this feeling that I’ve been here before“ und wunderbar antriebsarm durch den Song torkelt, kommt einem das auch beim Zuhören seltsam vertraut vor.

Vor zehn Jahren erschien mit „Sonne“ die letzte Verve-Single, vor elf Jahren mit dem Hitalbum „Urban Hymns“ der letzte Longplayer. Doch scheint sich seither für Ashcroft und seine Band, die 2007 wieder zusammengefunden hat, nicht viel geändert haben – außer vielleicht, dass die Songs von The Verve auf „Forth“ nun noch verträumter, vernebelter daherkommen als früher. Mitten in einem Albtraum findet man sich gleich zu Beginn des Albums wieder. Über einem in die Verzweiflung schlurfenden Beat singt Ashcroft in „Sit And Wonder“ von Dämonen und den seltsamen Dingen, die in seinem Kopf passieren. Später können sich die Halbschlafdramen auch mal – in dem nölenden „Noise Epic“- auf über acht Minuten ausdehnen: ein an die Happy Mondays erinnernder Angsttraum, bei der Ashcroft schließlich – von Feedbackgitarren und psychiotischen Episoden aufgeschreckt – schweißgebadet aufwacht. Allerdings nur, um sich gleich darauf mit seiner Band in die Stone Roses zu verwandeln und sich in der opulent, aber nicht protzig gebauten Ballade „Valium Skies“ wieder selbst in den Schlaf zu singen und vom süßen Vergessen zu träumen.

Aufwachen erweist sich jedenfalls nicht als Lösung. Selbst die Liebe, so verrät die erste Single „Love Is Noise“ überaus eingängig, verspricht nur immer wieder aufs Neue Lärm, Schmerzen und den Blues. „Numbness“ ist ein Bluesrock-Lamento über die Abstumpfung, die Klavierballade „Rather Be“ eine Absage an alle Illusionen.

Und so flüchten sich The Verve immer wieder hinter aufwendig gebauten Soundwänden in eine Traumwelt – im zarten „Judas“ („For a dream to happen/ You gotta let it go“) genauso wie in „Columbo“, in dem sich Ashcroft, Simon Jones, Nick McCabe und Peter Salisbury in einen psychedelischen Gitarrenrausch spielen, durch den Stimmen hallen, bevor sie in „Appalachian Springs“ ankommen: „I took a step to the left/I took a step to the right/ And I saw myself/ And it wasn’t quiet right“, singt Ashcroft und verrät, dass er sich nicht ganz sicher ist, ob gerade schläft oder wach ist.


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