The Verve Urban Hymns



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„Bittersweet Symphony“, „Sonnet“, „Lucky Man“: Es sind wirklich nicht nur Hits gewesen, sondern echte Hymnen. Staatstragende Hymnen, aber gleichzeitig leichtfüßig wie Sommergedanken – wie selten gibt es das! Und wie bemerkenswert, denn The Verve überstanden zuvor eine Trennung. Die zwei Vorgängerwerke, „A Storm In Heaven“ und „A Northern Soul“, changierten zwischen Dreampop und Stoner-Rock, kamen einen Tick zu spät, jeweils nach den Genre-Revivals in den frühen 90er-Jahren. „Urban Hymns“ war ihr letzter Versuch, einen eigenen Stil zu kreieren.

Ironischerweise (aber dann auch wirklich zum letzten Mal) sollte eine prägnante Melodie, die von „Bittersweet Symphony“, doch wieder Fremdbezug haben. Die Band nutzte ein Streichersample aus dem Rolling-Stones-Song „The Last Time“ in der Orchesterfassung von Andrew Loog Oldham und David Whitaker. Der Exmanager der Stones, Allen Klein, klagte natürlich, und The Verve mussten sämtliche Einnahmen des Hits abgeben.

Sogar Beck trat vor

Die Britpop-Euphorie neigte sich 1997 dem Ende zu, aber das Quintett war zur Stelle. Den Kokainräuschen von Noel Gallagher auf „Be Here Now“ setzte Richard Ashcroft ein „The Drugs Don’t Work“ entgegen. Auf dem Albumcover saßen die Verve-Musiker im Stadtpark, nicht wie Oasis vor dem Pool. Liam Gallagher war ein Maulheld, Ashcroft rempelte im „Bitter-sweet Symphony“-Clip die Leute auf den Straßen tatsächlich an, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Dies und nichts anderes war der Cool-Britannia-Moment.

Die Plattenfirma nutzt nun das 20-jährige Jubiläum und schießt aus allen Rohren. Fünf CDs (oder drei Doppel-LPs) und eine DVD. B‑Seiten, alle Musikvideos, dazu der von Fans geliebte Homecoming-Gig „Live At Haigh Hall“ von 1998 als Audio und Video. Die Band war damals so groß, dass jemand wie Beck als Konzert-Support engagiert werden konnte, obwohl er selbst auf dem Karrierehöhepunkt stand. The Verve haben aus diesen zwei Erfolgsjahren alles herausgeholt. (Virgin/USM)


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