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Thea Gilmore  John Wesley Harding


Fullfill/Alive Veröffentlicht am 1. Juli

Es ist von angemessener Querköpfigkeit, dem Meister nicht nur per Twitter zum Geburtstag zu gratulieren. Dylans Originalalbum von 1967, das Thea Gilmore als Reverenz Song für Song nachspielt, war nach dem Motorradunfall und dem hellsten Album-Dreigestirn des Rock auch eine brüske Kehrtwendung und wirkte fast außerirdisch zwischen den anderen Großwerken des Jahres, „Sgt. Pepper“, „The Doors“, „Are You Experienced?“ oder „Disraeli Gears“. Alles so simpel, direkt, kunstlos. Keine Refrains, kaum musikalische Schmiermittel, nur Haltung und Storys alttestamentarischer Wucht.

Den Mut, diesen Zyklus neu zu inszenieren, erhielt die britische Songschreiberin durch überschwängliche Reaktionen auf ihre „St. Augustine“-Version, die sie mit Gitarrist Robbie McIntosh (Pretenders, Paul McCartney), Paul Beavis (Drums) und Nigel Stonier (Bass, Produktion) für eine Cover-Compilation aufgenommen hatte. 2002 war das, seither wurde der Song bei ihren Konzerten immer populärer. Im Februar rief Thea Gilmore dasselbe Team für eine Woche ins The Chapel in Lincolnshire, um den Rest der „John Wesley Harding“-Lieder einzuspielen. Der direkte Vergleich verbietet sich, doch die bis spätnachts gehenden Sessions brachten Ergebnisse von ähnlicher Konsistenz.

Es versteht sich, dass Theas Stimme, die die blauen Noten ebenso beherrscht wie dramatisches Tremolo, den Stücken eine ganz andere Grundrichtung gibt als Dylans enigmatisches Krächzen. Ihre Mitstreiter folgen hautnah, der Swing der oft ungeübten Aufnahmen ist mit Händen zu greifen. „All Along The Watchtower“ etwa findet mit lässigem Desertrock-Groove einen Mittelweg zwischen Dylan und Hendrix, die punktpräzisen Beiträge von McIntosh treiben auch „Drifter’s Escape“, „As I Went Out One Morning“  und „The Wicked Messenger“ atemberaubend voran. „Dear Landlord“, pianobegleitet und von Dobro und Mandoline beseelt, schimmert emotional besonders reich. Da hat das alte Raubein aber ein feines neues Gewand erhalten.


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