Neu im Plattenregal: Die Alben der Woche vom 01. Juli 2011


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Hier eine Auswahl der neuen Veröffentlichungen im simfy-Player (die Songs sind ca. zwei Wochen hörbar):

Bag Raiders – „Bag Raiders“ (Universal Records/UID/Universal)
Nach acht EPs, einer Single-Veröffentlichung und zahlreichen Remixen veröffentlicht das australische House-Duo Bag Raiders nun ihr Debüt. Nach ihrem Erfolg mit „Way Back Home“, das durch eine Vodafone-Werbung bekannt wurde, kommt nun „Bag Raiders“, mit den tanzbaren Grooves und dem für das Genre typischen Melodien, die jeden Fan des Genres begeistern dürften. Die besseren Songs des Albums sind allerdings die ohne Gesang, die fast dem Niveau von Künstlern wie Parov Stelar entsprechen. Bag Raiders sollten sich vielleicht eher aufs musizieren als aufs Singen konzentrieren – ansonsten wurde hier eine solide House-Platte veröffentlicht. (Julia Maehner)

Diverse – „Rave On Buddy Holly“ (Concord/Universal Classics & Jazz)
Da wundert man sich beim Frühstückskaffee mit den Kollegen laut darüber, dass auf „Rave On Buddy Holly“ sogar ein Hau-Drauf-Künstler wie Kid Rock seinen „Well… All Right“-Interpretation nicht versemmelt – und Kollege Brüggemeyer analysiert messerscharf: „Buddy Holly kann halt jeder“. Recht hat er. Wobei man dazu sagen sollte, dass diese Äußerung in keiner Weise herablassend gemeint war – vielmehr sieht man durch diesen wunderbaren Sampler noch einmal welch grandiose Popsongs der leider viel zu früh Verstorbene uns hinterlassen hat. Das wusste man zwar schon länger und sah es bereits vor zwei Jahren, als M.Ward „Rave On“ neu vertonte – aber diese Compilation reibt es einem noch einmal aufs Angenehmste unter die Nase. Das schon vorab bei uns zu hörende „It’s So Easy“ von Paul McCartney ist natürlich ein echtes Highlight, ebenso „Peggy Sue Got Married“ in der Interpretation des John Doe. Cee Lo Green crooned das bittersüße „(You’re So Square) Baby, I Don’t Care“ in handlichen anderthalb Minuten herunter und Modest Mouse zerlegen „That’ll Be The Day“ und bauen es auf ihre verquere Weise wieder zusammen. Lediglich Lou Reeds „Peggy Sue“ klingt trotz Feedbackpfeifen und Streicherkleister kreuzbieder und lahmt ein wenig – sonst gibt es keine Ausfälle zu vermeiden. Und, wie bereits erwähnt: Selbst Kid Rocks „Well…All Right“ ist eben genau das. Den Sampler gibt’s hier komplett im Stream. Hier der Track von den Black Keys, der den Sampler eröffnet:

Brian Eno – „Drums Between The Bells“ (Warp/Rough Trade)
Dreieinhalb Sterne gibt es von Maik Brüggemeyer in seiner „Freistil“-Kolumne: „Die Partnerschaft zwischen Brian Eno und dem Warp-Label scheint äußerst produktiv zu sein. Nach dem Ambient-Impressionismus ‚Small Craft On A Milk Sea‘ im letzten Jahr folgt nun ein kantiges, perkussives Werk. ‚Drums Between The Bells‘ ist das neueste Ergebnis der seit 2003 immer mal wieder belebten Kollaboration mit dem Dichter Rick Holland. Die unter anderem vom Lyriker selbst vorgetragenen Gedichte liegen hier über groovenden und pulsierenden Tracks, die Eno immer wieder mit scheinbar außer Kontrolle geratenen Synthesizern und schroffen Gitarren durchbricht. Die besten Stücke sind musikalisch so spannend und mitreißend, dass die arg gespreizte Lyrik eher stört.“

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Thea Gilmore – „John Wesley Harding“ (Fullfill/AL!VE)
Die Review gibt’s bereits online – und zwar hier. Hier die Interpretation von „All Along The Watchtower“:

Handsome Furs – „Sound Kapital“ (Sub Pop/Cargo)
Das dritte Album des Duos aus Montreal wendet sich stärker als je zuvor den elektrischen Tönen zu. Hatten sie bei ihrer ersten Platte „Plague Park“ noch einen gewissen Lo-Fi-Touch, so scheint bei „Sound Kapital“ ein wenig der Trance durchzudringen. Dennoch bleiben Sie ihrer alten Fell-Manier treu: Dan Boecker singt wie üblich eindringlich und teils mit Sprechgesang, Alexei Perry untermalt den Part ihres Ehemanns mit Drumcomputer und Synthesizern. Manchmal muss man auch an die Kollegen von Arcade Fire denken – beispielweise bei „No Feelings“ – nur dass die Hansome Furs eben deutlich elektronischer und bei weitem nicht so episch klingen. (Julia Maehner)

HeadCat – „Walk The Walk…Talk The Talk“ (Niji Entertainment Group/Tonpool)
Viele werden es gar nicht wissen: Lemmy Kilmister hat neben Motörhead noch ein weitere Band. Mit The Head Cat geht er im Verbund mit Stray Cats-Drummer Jim Phantom und The Rockats-Gitarrist Danny B. Harvey seiner Zweitleidenschaft für klassischen Rock’n’Roll nach. Auf ihrem ersten Album coverten HeadCat bereits recht räudig Songs von Buddy Holly, Johnny Cash und Eddie Cochran. Nun erscheint mit „Walk The Walk…Talk The Talk“ ein zweites Album. In unserem Interview erklärte Lemmy, was die Fans erwarten dürfen: „Es ist guter alter Rock’n’Roll, Feel-Good-Musik. Es ist Musik, die deine Freundin überzeugen wird, später mit dir zu schlafen!“ Den Albenplayer gibt es bei uns. Hier eine Live-Version von „Suzy Q“:

Junior Boys – „It’s All True“ (Domino/GoodToGo)
Das kanadische Duo summt und säuselt sich wieder durch butterweichen Electro-Pop, der den Schwulst aktueller House-Produktionen auslässt und eher auf die getanzte Melancholie von Hot Chip und Konsorten setzt. Wird zumindest deren Fans gefallen, andere könnte sich an den fehlenden Reibungsflächen stören. Und so klingt das dann:


Kaiser Chiefs – „The Future Is Medieval“ (B Unique/Polydor/Universal)
Auf der Website der Kaiser Chiefs kann man sich dieses Album immer noch selbst zusammenstellen – inklusive Artwork und allem. 20 Songs stehen zur Verfügung, zehn kann man sich aussuchen. Wer seine Zusammenstellung per viraler Eigenwerbung an den Mann und die Frau bringt, verdient sogar ein paar Pfund mit. Eigentlich eine recht originelle Idee, die auch visuell mit einem munteren Clip (siehe unten) umgesetzt wurde. Leider beantwortet kaum einer der 20 Songs die Frage, ob man die Kaiser Chiefs denn heute wirklich noch braucht – was die Single „Little Shocks“ (Video unten) schon vorab erahnen ließ.


Locas In Love – „Lemming“ (Staatsakt/Rough Trade)
Schon irgendwie ein großes Thema bei uns – denn immerhin waren wir bei der Entstehung von „Lemming“ quasi im Studio dabei. Björn Sonnenberg schrieb für uns nämlich damals ein tolles Studiotagebuch ins Internet, das man hier gesammelt findet. Die Review gibt’s derweil hier.

Wiley – „100 Percent Publishing“ (Big Dada/Rough Trade)
Jürgen Ziemer schreibt in seiner „Beats“-Kolumne: „Besser als das Info der Plattenfirma kann man es nicht sagen: ‚Wiley ist der Lord Byron des Rap. Das ist so offensichtlich, dass ich es erst gar nicht erkläre.‘ Großer, wunderbar britischer Rap, dessen furchterregend tiefe Basslines ungesichert größte Verwüstungen anrichten könnten.“ Wie sagen die Briten? „Nuff said!“ Hier noch der Clip zu „Numbers In Action“:

Yes – „Fly From Here“ (Frontiers/Soulfood)
„Fly From Here“ ist seit 10 Jahren das erste Album der Artrock-Band Yes. Für diese Platte lief die Band wieder in der Formation auf, in der sie 1980 die LP „Drama“ aufgenommen hatten. Als Produzenten suchten sie sich dafür einen alten Bekannten: Trevor Horn, der nicht nur schon temporär als Leadsänger der Band fungiert hatte, sondern auch den Yes-Mega-Hit „Owner Of A Lonely Heart“ produziert hatte. Das Album basiert auf dem Titelsong „We Can Fly“, derbereits aus dem Jahr 1980 stammt, aber bisher noch nicht veröffentlicht wurde. Auf „Fly From Here“ kehren sie nicht nur zur ihrer alten Besetzung, sondern auch zu ihren Wurzeln zurück. Da bleibt den Fans nach dieser langen Pause wohl nur ein erleichtertes „Yes!“ Und wer noch nie Yes-Fan war, bleibt weiter beim „No!“. (Julia Maehner)