Tift Merritt Stitch Of The World

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Schon als sie 2002 ihr Solodebüt, „Bramble Rose“, veröffentlichte, hatte man es mit einer besonderen Künstlerin zu tun: Tift Merritt hat die seidige Anmut von Emmylou Harris und den Grit von Lucinda Williams, dazu spürte man diesen leisen Charme, der sich seither durch das Werk der Kalifornierin zieht. Es folgten zwei von ­George Drakoulias produzierte Alben: das überraschend soulige „Tambou­rine“ (2004) und das fragile, direkte „Another Country“ (2008). Die bis dato letzten beiden Werke, „See You On The Moon“ (2010) und „Traveling Alone“ (2012), hat Tucker Mar­tine produziert, also waren die Arrangements gewagter.

Im Vorfeld dieses neuen Albums hat Merritt sich auf eine Farm in Texas zurückgezogen und Vögeln beim Fliegenlernen zugesehen („Icarus“), übers Weitermachen angesichts der eigenen Niederlage geschrieben („Love Soldiers On“) und eine Ode an die gnadenvolle Weite texanischer Landstraßen geschrieben („Wait For Me“). Alles, was Merrit kann und geworden ist, ist auf dieser Platte, die in nur vier Tagen in einem Studio in Los Angeles entstanden ist – nichts weniger als das Leben der Künstlerin selbst meint man zu hören, weil da keinerlei Prätention ist, nur etwas tief Reflektierendes.

Die Kunst des Songschreibens

Es ist wohl gleichzeitig ein Moment der Veränderung und des Innehaltens: Merritt war während der Aufnahmen hochschwanger, ­eine Beziehung endete, die Künstlerin ging erst nach Texas, dann zurück in die alte Heimat Raleigh/North Carolina. Die Aufnahmen sind schroff, aber emotional sehr nahbar und pointiert. Alles Lehnen in diese oder jene Stilrichtung ist aufgehoben in dem Gemisch amerikanischer Musiken. Bei einigen Liedern singt Sam Beam mit, Merritt traf ihn zufällig auf einem Flughafen.

Wenn diese Platte nur eines ist, dann eine tiefe Verbeugung vor der Kunst des Songschreibens, die ihre ernsthaften Schüler auf eine Reise schickt, die gleichzeitig nach innen und außen führt. Merritt ist eine großartige Sängerin, aber vor allem schreibt sie, ist sie eine Chronistin ihrer selbst und der die Dinge, die sie sieht. (Yep Roc)

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