Tom Gauld Kochen mit Kafka


Edition Moderne


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Der arrogante Buchhändler zum Kunden: „Ja, wir haben das Buch, das sie suchen. Sie finden es in der Abteilung ‚enorm überschätzt‘, im Regal ‘sogenannte Klassiker’“. Der schottische Zeichner Tom Gauld, häufig anzutreffen im „Guardian“ und einer der Cartoon-Darlings des „New Yorker“, ist sich bewusst, dass es nicht ganz so einfach ist, sich mit Literatur zu beschäftigen. Man opfert einen Großteil seiner Lebenszeit mit dem Lesen in Einsamkeit, wird schneller kurzsichtig, leidet an schlecht konstruierten Geschichten wie ein Hund und verpasst möglicherweise ein paar verdammt gute Netflix-Serien.

In „Kochen mit Kafka“ geht es natürlich nur am Rande um den Prager Hungerkünstler, dem Tom Gauld bescheinigt, einen exzellenten Zitronenkuchen backen zu können und dabei natürlich einige seiner existenzialistischen Tagebuch und Briefsätze in den Mund legt („Ich fühle mich nur dann ganz bei mir, wenn ich unerträglich unglücklich bin“). Ein ganzes Buch allein mit nüchternen Kafka-Rezepten wäre weit entfernt von jenem minimalistisch-sarkastischen Humor, den Gauld in seinen zahlreichen Comicstrips und Illustrationen pflegt, die rund um den Globus in den Zeitungen erscheinen. (In Deutschland sind sie aber leider noch viel zu wenig bekannt.)

Stattdessen macht sich Gauld lustig über eine Intellektuellenwelt, die längst ihren eigenen Gesetzen gehorcht, die, mitunter arg peinlich, an einen Markt ausgerichtet ist, dessen Kernklientel von Jahr zu Jahr andere angeblich sinnstiftende Interessen für sich entdeckt. Wie Yoga. Wie Kochen. Aber der Zeichner macht sich auch zum Anwalt eines Publikums, das sich mit den immergleichen Plots und zu Events aufgeblasenen Literaturblasen zu langweilen beginnt. Beispiel gefällig:

Was sind die häufigsten Fehler von unerfahrenen Krimiautoren?

  • Nicht genug Verdächtige
  • Niemand wird ermordet
  • Zu viele Butler
  • Kommissar gibt einfach auf

Mit Strichmännchensimplizität ironisieren die zahlreichen, nicht mehr als eine Seite umfassenden Cartoons auf winzigem Raum einen sich wandelnden Markt und beziehen dabei ihre Lacher immer auch aus einer scharfsinnigen wie  doppelseitigen Betrachtung des Gegenstands – nicht selten auch aus der Perspektive der gequälten Edelfedern. In einem Panel zeigt Gauld mittels flachem Labyrinth einen Mann, der möglichst schnell zu einer Trophäe gelangen muss. „Schaffst du es, den Autobiographen zum Literaturpreis zu führen, ohne dass er auf seine wütenden Freunde und Verwandten trifft?“

Solche Witze, die zunächst etwas grob und kalauerhaft daherkommen, entwickeln ihre Würze erst nach dem zweiten oder dritten Betrachten. Sie setzen vielleicht auch den „Zeit“- oder „FAZ“-Leser voraus, um sich über sie zu amüsieren. Aber Gauld, der sich in der Vergangenheit auch schon mit dem biblischen Riesen Goliath auseinandergesetzt hat und bei dem Mäuse gerne auch mal ungefragt Joyces „Ulysses“ zitieren, ist ein großartiger Vermittler zwischen Lesern und Autoren.

Seine häufig gehässigen Strips kennen nur eine Konstante: Schriftsteller, Verleger, Kritiker und Leser wollen eigentlich nur das eine (sich glückselig mit heiteren, klugen Gedanken amüsieren), doch sie verstehen darunter dennoch zu ihrem eigenen Unglück alle etwas anderes. Vielleicht hilft zur Einigung ja ein Bananen-Karamell-Kuchen, frisch aus dem Ofen und von Kafka serviert.

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