Travis

„12 Memories“ – Hochform

Concord (VÖ: 19.4.)

Das vierte Album der Schotten bezieht auch gesellschaftlich Stellung.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Die fiebrige Intensität ihrer feedbackbeseelten Debütsingle im Herbst 1996 wurde von Steve Lillywhite fürs erste Album erfolgreich domestiziert. „Good Feeling“ transportierte ebendas: burschikosen Britpop mit hormonellem Überschuss. U16 Girls! Das zweite, „The Man Who“, avancierte mittels bestrickender Melancholie und memorabler Melodien zum Megaseller, von Nigel Godrich produziert, der es verstand, den Kandiszuckerpop in nachhaltig wirkende Sounds zu betten. „The Invisible Band“ hielt das Niveau im Spätsommer 2001, doch wurde die Welt am 11. September eine andere, bedrohlichere. Und als die anfängliche Schockstarre wieder Gedanken zuließ, schlugen die sich prompt im nächsten Album nieder.

Besitzenswert? Unbedingt.

„12 Memories“ erschien zu Zeiten des Irakkriegs, der die Medien beherrschte sowie einige Travis-Tunes informierte. „Peace The Fuck Out“! Ein Imperativ, der inmitten patriotischen Überschwangs durchaus Kritik provozierte. Parallelen zur heutigen Säbelrasselei drängen sich auf. „Kriegstüchtig“ müsse man sein, sagt ein Minister und erhält dafür Beifall. Nicht von Fran Healy freilich, der sich in „The Beautiful Occupation“ mit dem Kriegshandwerk befasst. „You don’t need an invitation/ To drop in upon a nation“, singt er sarkastisch. Zur Erinnerung: Das UK war seinerzeit Kriegspartei und stand fest an der Seite der USA.

Youtube Placeholder

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

In „Re-Offender“ geht es um Rückfälligkeit und Selbstbetrug, das Quartett musikalisch in Hochform. Noch besser sind die Tracks „Mid-Life Krysis“ und der Opener „Quicksand“ mit seinen wunderbar nuanciert gesetzten Backing Vocals, alles souverän selbst produziert. Das Reissue wird in verschiedenen Vinylfarben an geboten, neben Schwarz und Weiß auch in „Marmoriert“ und „Durchsichtig“. Besitzenswert? Unbedingt.

Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 3/2026.