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Neunte Kunst (8)

Riad Sattouf: Berichte aus einer fernen Welt


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Nein, am Anfang war nicht das Wort, sondern eine magische Zeichentafel. Geschenkt bekam sie der kleine Riad von Tarek, einem Leibwächter des syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad. Dieser gehört zu den einflussreichen Freunden, auf die sich Riads Vater immer wieder bezieht, wenn er seiner Familie ein Leben in Saus und Braus verspricht. Mit dieser Zeichentafel hat Riad Sattouf im zarten Alter von neun Jahren seine Leidenschaft für das Zeichnen entdeckt. So zumindest wird es in seinen grandiosen und preisgekrönten Erinnerungen „Der Araber von morgen“ erzählt, deren dritter Band gerade erschienen ist.

Demnach war das für syrische Verhältnisse sündhaft teure Präsent kein Zufall. Denn Tarek war einer der Studenten von Riads Vater, der noch seinen Abschluss machen musste. Und obwohl sich Dr. Sattouf als unbestechlichen Prüfer beschreibt, schaut er seltsam drein, als Tarek das Geschenk überreicht. Von dessen Prüfung erfährt man auch nur, dass er „seinen Namen und den meines Vaters auf seine Abschlussarbeit geschrieben (hat). Ansonsten blieben die Blätter leer.“

Kindliche Naivität und schonungslose Offenheit

Mit solch vielsagend offenen Anekdoten blickt der Comiczeichner und Filmemacher Riad Sattouf auf seine Kindheit zwischen Frankreich, Libyen und Syrien zurück. Aus ihnen schimmert die arglose Verwunderung dieses blonden Kinderhelden über die wirklichen Verhältnisse und zugleich seine unverfrorene Weisheit angesichts des seltsamen Gebarens der Erwachsenen durch. Dieser Mix aus kindlicher Naivität und schonungsloser Offenheit prägt seine beliebten Arbeiten.

Auch sein neuestes, auf viele Jahre angelegtes Projekt, „Esthers Tagebücher“, in dem er die Berichte der zehnjährigen Tochter eines befreundeten Paars verarbeitet. „Wir sprachen über ihre Lieblingsmusik, was sie an Jungs cool fand und was blöd, und so weiter“, erzählt er. „Das war für mich, als hätte mir ein Außerirdischer von seinem Leben auf einem anderen Planeten erzählt. Mir wurde bewusst, dass mir ihr Universum vollkommen fremd war.“ Von diesem Universum berichtet er nun in einseitigen Comicstrips. Seine unprätentiösen Momentaufnahmen aus dem Leben einer Heranwachsenden gewinnen vor allem auf lange Sicht ihren Reiz – als Linklatersches Reifeprotokoll. Girlhood unlimited.

Reprodukt


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