ROLLING-STONE-Kommentar: Rassismus ist Amerikas Seuche


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Ein Kommentar von Jamil Smith

Erst vor einer Woche drückte Derek Chauvin, damals noch als Polizeibeamter in Minneapolis angestellt, sein linkes Knie an den Hals von George Floyd. Auf Video sah dies aus, als würde er niemals mehr damit aufhören. Es waren insgesamt acht Minuten und 46 Sekunden, davon fast drei Minuten, nachdem Floyd keine Lebensreaktionen mehr zeigte, lange nachdem er mit Worten wie „Bitte, ich kann nicht atmen“ und „Mama“ darum gefleht hatte, verschont zu werden.

Der Bezirksstaatsanwalt von Hennepin County, Michael Freeman, führte diesen Zeitrahmen in seiner Strafanzeige vom Freitag auf. Chauvin, der einzige der vier beteiligten Beamten, den die Behörden bisher festgenommen haben, wurde wegen Mordes dritten Grades und Totschlags zweiten Grades angeklagt.

Dieser Schritt hat die Proteste kein bisschen abgebremst, vielleicht weil es dabei um mehr geht als um den Mord an Floyd. Die Politstrategin Patrisse Cullors, Gründerin einer Initiative zur Abschaffung der Gefängnisse in Los Angeles und eine der Anführerinnen der „Black Lives Matter“-Bewegung, sagte nach Chauvins Verhaftung gegenüber der US-Ausgabe des ROLLING STONE: „Um tatsächlich Gerechtigkeit zu schaffen, müssten wir die Polizei finanzielle Mittel entziehen und diese Dollars in ein nationales Gesundheitssystem umleiten. Wir haben einer Ökonomie der Gewalt und des Terrors Vorrang vor einer Ökonomie der Versorgung eingeräumt.“

Die Bemerkung Cullors unterstrich nur, dass Polizeigewalt auch ein Symptom der Krise des öffentlichen Gesundheitswesens ist. Das zeigte sich deutlich auch in den vorläufigen Einzelheiten der Autopsie des Bezirksarztes, die am Ende auch in Freemans Anklage eingingen: „Keine körperlichen Befunde, die die Diagnose einer traumatischen Asphyxie (Atemstillstand) oder Strangulation stützen. Herr Floyd hatte gesundheitliche Grunderkrankungen wie eine koronare und hypertensive Herzkrankheit. Mr. Floyds Tod wurde sehr wahrscheinlich von einer Kombination aus Polizeigewahrsam, seinem zugrunde liegenden Gesundheitszustand und potentiellen Rauschmittel in seinem Körper herbeigeführt.“

(Die Familie Floyds beantragte eine unabhängige Autopsie, außerdem widersprachen die am Montag veröffentlichten ersten Befunde offensichtlich dem Bericht des Gerichtsmediziners. Darin heißt es, „Floyds Mord war das Ergebnis eines Atemstillstands aufgrund eines blockierten Blutflusses zum Gehirn“, wobei das auf seinen Rücken ausgeübte Körpergewicht und seine Körperpositionierung ebenfalls dazu beitrugen.)

Rassismus ist eine gesellschaftliche Pandemie in Amerika

Die Verhaftung eines der Täter hätte die anschwellende Protestwelle gegen die systemimmanente rassistische und mörderische Strafverfolgung in diesem Land niemals aufhalten können. Doch noch vor der Verhaftung oder Anklageerhebung gegen einen der drei anderen ehemaligen Officers aufgrund unterlassener Hilfeleistung nannte der Staatsanwalt die Gesundheit des Opfers als Teil der Todesursache.

Caroline Brehman CQ-Roll Call, Inc via Getty Imag


Attila Hildmann von Anonymous gehackt worden! Daten erbeutet?

Mitgliedern des bekannten Hacker-Kollektivs Anonymous ist es anscheinend gelungen, sich Zugriff auf einen Webserver von Attila Hildmann zu verschaffen. Das meldeten die Netz-Aktivisten auf Twitter. Zugleich machten sie sich über die eher kläglichen Sicherheitsvorkehrungen auf der über die offenbar eher schlampige Sicherheit auf dem Server des Vegan-Kochs lustig. So sei dieser nicht einmal mit SSL verschlüsselt gewesen („http“ statt „https“). https://twitter.com/AnonNewsDE/status/1270456291186692099 Ob die Hacker sensible Daten erbeuten konnten, ist derzeit noch unklar. Hildmann hat sich zu dem Vorfall noch nicht gemeldet. Der 39-Jährige ist seit einigen Wochen in den Schlagzeilen, weil er sich als konfliktbereiter Corona-Kritiker in Szene setzt und…
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