ROLLING STONE wird 20. Unsere Helden, Teil 15: Tom Waits


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Tom Waits, der singende Beat-Poet, der Surrealist, der Chronist der Unterseite: Die Welt des kalifornischen Songschreibers ist von Sonderlingen, Säufern, Huren und allen Arten von Verlierern bevölkert. Doch Waits verrät seine Charaktere nicht, sondern gibt ihnen vielmehr Stolz und Wahrhaftigkeit. Ganze Alben in dieser Karriere sind gekonnte Milieustudien, die aber im Lauf der Jahrzehnte immer universellere Gefühle zum Vorschein brachten. Misery is the river of the world, wissen Waits’ Leute und machen das Beste draus.

Waits, dessen durchgedrehte Musik aus Blues, Vaudeville, Zirkuswalzern und Klanginstallationen besteht und von seinem Vorbild Don Van Vliet aka Captain Beefheart geprägt wurde, versteht sich als Surrealist: In der Verfremdung und Entstellung wird deutlich, was sonst nicht gesehen werden kann. Mehrere Stimmen hat sich Waits so im Lauf seiner Karriere erarbeitet – unter anderem den miesen Faucher, den monströsen Krakeeler und den romantischen Heuler. In den vergangenen 20 Jahren erschienen drei reguläre Werke: „Mule Variations“ (1999) wird von dem Künstler ein kleines bisschen kritisch gesehen, weil es in einem normalen Studio entstand und etwas zu kontrolliert wirkt; eines der besten Alben wurde es wegen der konzisen Sammlung hervorragender Songs aber dennoch. „Real Gone“ von 2004 ist eine hysterische und völlig zerschossene Platte, mit der Waits wie in einer Selbstvergewisserung seine alte Knochensägenmusik revitalisierte. Und „Bad As Me“ (2011) ist ein Wunderwerk von einem Album, auf dem Waits alles zeigt, was er kann, und ein Ensemble aus Hochkarätern großartig intuitiv spielt. Auch fabelhaft sind „Alice“ und „Blood Money“ (beide 2002), deren Lieder für zwei Theaterstücke von Robert Wilson entstanden sind, sowie ein Dreifachalbum mit aussortieren Stücken namens „Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards“.

Weil Waits eine Kunstfigur ist, die man sich in der realen Welt nur schwer vorstellen kann, ist man vor den raren Audienzen ziemlich eingeschüchtert. Nicht wenige Journalisten sind hier schon gescheitert: Allzu standardisierte Fragen werden zur Strafe mit abwegigen, scheinbar zusammenhangslosen Assoziationsketten beantwortet, Waits spielt Verstecken. Doch die Verweigerung ist in Wahrheit Kunstsinnigkeit: Waits sucht im Gespräch dasselbe wie in seiner Musik – eine Art Rhythmus, ein gemeinsames Spiel, einen inspirierenden Moment. Das lineare Gespräch taugt nichts, ist zu durchschaubar, offensichtlich, langweilig.



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