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„Sign O' The Times“ von Prince: Gespräch mit Michel Birbæk

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ROLLING STONE wird 20. Unsere Helden, Teil 4: Rufus Wainwright


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Eigentlich war ich im Juli 2004 nach New York geflogen, um eine Woche lang Elvis Costello zuzuschauen, wie er im Lincoln Center seine zahlreichen Talente ausstellte – den Jazzcrooner vor einem großen Orchester gab, seine Ballettmusik aufführen ließ und mit den Imposters das Haus der New Yorker Philharmoniker zum Zittern brachte. In Erinnerung blieb mir dieser Trip aber vor allem wegen eines anderen, noch viel raffinierteren Popgenies.

Unerträglich heiß war es am Tag meiner Ankunft, in den Straßenschluchten stand der chlorierte Mief der Klimaanlagen, man schwitzte schon, wenn man die Wasserflasche anhob. Nur im Central Park war es einigermaßen erträglich. Die Bäume wippten in einer leichten Brise, die ein paar Wölkchen vor den blauen Himmel schob. In der Ferne hörte ich Beifall aufbrausen und versuchte ihn zu orten. So kam ich zur Summer Stage, vor der sich eine große Menschenmenge versammelt hatte. Wie ich erfuhr, hatte gerade Ben Folds sein Set beendet, und man wartete auf den nächsten Künstler. Es frischte ein bisschen auf, und genau in dem Moment, als schließlich Rufus Wainwright endlich unter Beifall erschien und das noch unbekannte „Agnus Dei“ anstimmte, fegte eine starke Böe unter das Bühnendach. Ein Blitz zuckte. Donner rollte. Platzregen prasselte. Ein Riesengetöse. „Oh my god“, rief Wainwright in sein unheimliches, sakrales neues Stück hinein. Der Vorhang hinter der Bühne riss mit einem „Rrratsch“, und der Künstler grinste. „Well, if I can’t shock God with my brilliance, maybe I can lull him with my sweetness“, meckerte er und stimmte „Over The Rainbow“ an.

Am nächsten Tag sah ich Wain­wright zufällig in einem Café an der 14th Street sitzen und sprach ihn an. „Dramatisch wie eine Wagner-Oper“ sei die Show für ihn gewesen. „Nur dass ich natürlich nicht so fett bin wie diese Tenöre“, fügte er hinzu und gackerte. Ein halbes Jahr später sprachen wir uns wieder. Dieses Mal für die ROLLING STONE-Titelgeschichte. Durch sein kleines Zimmer im East Village schallte gerade eine Oper. Nicht Wagner, sondern Christoph Willibald Gluck – „Orfeo ed Euridice“.

„Ich als Opernfan habe Stunde um Stunde damit verbracht, eurer Sprache zu lauschen; ,mein Herz‘, ,liebhold‘ – all diese wundervollen alten Wörter“, erklärte er. „Ich will endlich nach Deutschland – vor allem natürlich nach Bayreuth.“ Und er kam nach Deutschland, nahm eine Platte in Berlin auf, lernte dort seine große Liebe kennen und schrieb für die „Zeit“ über die Wagner-Festspiele auf dem Grünen Hügel. Schließlich komponierte er seine eigene Oper und erschien zur Premiere verkleidet als Verdi. „Als Wagner hätte er nicht gehen können, erklärte er, als wir gemeinsam durch Vestibül und Säle des Schlosses Friedrichsfelde wandelten, „da hätte ich meinen Fatsuit anziehen müssen.“

Cover 1

Rezensionen 11

Sterne 44,5


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