„Schindlers Liste“: Schrecken des Holocausts


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Der Triumph von „Schindlers Liste“ lag im Feingefühl, in der Größe, dann in der Härte, in der Brutalität, in der Behutsamkeit und in der Intimität, in allem, was nötig war, um sich der Shoah zu nähern. Nichts erschien suggestiv. Und die wenigen Szenen, die tatsächlich Humor zeigen sollten, waren sogar lustig.

Als Steven Spielberg 1998 für den Film vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog das Große Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, sprach der Regisseur von der wichtigsten Auszeichnung, die er je bekommen habe.

27 Jahre später hat „Schindlers Liste“ dieselbe Wirkung wie 1993. Es ist nicht der Ruhm – sieben Oscars, darunter der für die beste Regie – der in Erinnerung bleiben wird, sondern es sind die unzähligen Szenen, in denen Spielberg den Schrecken des Holocaust auf die Leinwand bringt, sei es direkt oder symbolisch.

Das Mädchen im roten Mantel. Der Klavier spielende Nazi während der Erschießungen im Warschauer Ghetto. Amon Göths „Ich vergebe Dir“. Der Junge, wie er in die Kloake des Arbeitslagers flüchtet, klassische Musik im Ohr. „Dazu gehört mehr als das.“ Itzhak Sterns Gang, vorbei am hingerichteten Zimmerjungen. Und im ganzen Film gibt es Hitler nur ein einziges Mal zu sehen (auf einem Porträtfoto im Bildhintergrund), und nur eine Einstellung mit Hitlergruß.

Seiner Hauptfigur, dem Industriellen Oskar Schindler (Liam Neeson), gönnt der Regisseur am Ende einen Zusammenbruch. Es gibt Kritiker, die Schindlers „Ich hätte mehr tun können“ als ungebührliche Wehleidigkeit abtun; vielleicht aber ist Schindlers Gedanke genau derjenige bittere Gedanke, der jedem, der das Ausmaß der eigenen Hilfsbereitschaft endlich erkannt hat, in seiner Situation gekommen wäre.

Die 1994 von Spielberg gegründete „Shoa Foundation“ sammelt bis heute Zeitzeugenberichte von Überlebenden des Holocaust.