Schreckliche Zeiten, sensationelle Serie: „The Americans“ wird immer besser

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Schreckliche Zeiten, sensationelle Serie: „The Americans“ wird immer besser

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Glücklich ist, wer Geduld hat. Während ich jede Folge der dritten Staffel von „The Americans“ sofort nach Ausstrahlung als Digital HD kaufte  – „Hot From The US“, wie Fox es nennt -, können vernünftige Menschen jetzt die 13 Episoden an einem langen Wochenende anschauen und sich so in die 80er-Jahre zurückbeamen. Es war nicht die beste Zeit, es war vielleicht die schlimmste Zeit – zumindest, wenn man als KGB-Spion in Amerika lebte.

Der alltägliche Kampf wird für das Agenten-Ehepaar Elizabeth und Philip Jennings immer schlimmer, der Unterschied zwischen Theorie und Praxis fast unerträglich.  Was ist richtig, wer ist falsch? Beide glauben an ihre Mission für Mutter Russland (sie mehr als er), aber heiligt der Zweck wirklich alle Mittel? Darf man aus patriotischen Gründen mit einer Minderjährigen Joints rauchen, sie eventuell sogar verführen?

Kann man Gutes bewirken, indem man Schlechtes tut?

Philip (Matthew Rhys) erträgt diese Widersprüche immer weniger – er sieht inzwischen graugesichtig und verzweifelt aus, während Elizabeth (Keri Russell) sogar erwägt, ihre Teenager-Tochter ins Agentengeschäft einzuführen. Paige soll endlich die Wahrheit erfahren, doch Dad möchte nicht, dass seine Kleine lernt, wie man foltert und tötet. Mum erwidert darauf: „At least she’ll know who she is!“ Kann ein Mädchen, das in Amerika aufwuchs, seine russische Seele entdecken?

Es ist der spannendste von vielen spannenden Handlungssträngen in dieser dritten Staffel: Was wird mit Paige passieren, wie entscheidet sie sich? Nebenbei geht es beim FBI drunter und drüber, und die 80er-Jahre ziehen sozusagen im Schnelldurchlauf vorbei. Zwar tragen „The Americans“ immer noch nicht die scheußliche Kleidung, die damals modern war, sondern etwas dezentere Outfits. Doch andere Aspekte des Alltags zeigt die Serie sehr beeindruckend: Reagans Agitation ist so stumpf wie die Fernsehwerbung, bei albernen EST-Seminaren finden sich Spießbürger niemals selbst, sondern immer nur Entschuldigungen dafür, warum ihr Leben ihnen nicht gefällt.

Das ganze Jahrzehnt, hat man bald das Gefühl, ist fast so schrecklich wie die Szene, in der Philip Elizabeth einen Zahn ziehen muss, nachdem eine weitere verdeckte Aktion schiefgelaufen ist. Und tatsächlich lief ja auch ein Großteil der 80er-Jahre schief. Zu einem Atomkrieg kam es zwar nicht, diese bei „The Americans“ ständig schwelende Angst ist heute manchmal kaum noch nachvollziehbar. Aber ansonsten stimmt 30 lange Jahre später eigentlich immer noch, was Sting damals in „Russians“ sang: „There’s no such thing as a winnable war/ It’s a lie we don’t believe anymore.“

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