Sherlock Holmes jetzt auf DVD: Cooler Mumpitz. Hier Exemplare gewinnen.


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Guy Ritchie galt mal als eines der aufregendsten Regietalente. 1998 führte er sich mit „Bube, Dame, König, GrAs“ als Quentin Tarantino von England ein. Der Humor der Ganovenfarce war makaber, der Schnitt wild, die Gewalt überbordend. So erreicht man Kultstatus. Für seinen fast noch furioser montierten Nachfolgefilm „Snatch“ bekam er schon Brad Pitt. Danach hätte er in Hollywood nach ganz oben kommen können. Aber er machte einen Fehler. Er heiratete Madonna.

Selbstverständlich war es Liebe … Aber Ritchie unterschätzte ihr Ego. Die Pop-Diva dominierte ihn nicht nur in der Ehe, sie domestizierte, ja kastrierte ihn geradezu als Künstler. Der müde Erotik-Spaß „Swept Away“, in dem Madonna sich ein letztes Mal als Schauspielerin zu positionieren versuchte, war 2002 ein Desaster. Im wirren Thriller „Revolver“ von 2005 wimmelt es vor Metaphern aus der Kabbala, Madonnas bevorzugter Religionslehre. Die Ehe war 2008 schon gescheitert, als er „RocknRolla“ drehte. Der Gangsterfilm, mit dem er stilistisch zu seinen Anfängen zurückkehrte, mutete an wie ein Befreiungsschlag. Ein Paukenschlag, der die Karriere noch mal stimuliert, wurde er nicht. In Amerika etwa spielte er keine sechs Millionen Dollar ein.

Dass ihm dennoch das opulente Budget zu „Sherlock Holmes“ anvertraut wurde, überrascht zwar, zahlte sich aber aus: Mehr als 200 Millionen Dollar holte die Neuverfilmung allein in den USA rein. Damit liegt der Blockbuster ganz im Trend, alte Kinohelden und Geschichten zu reanimieren und mit viel digitalem Blendwerk aufzupeppen. Die löchrige Story um Lord Blackwood, der mit schwarzer Magie die Weltherrschaft anstrebt, ist nur mäßig spannender Mumpitz. Der Showdown läuft auf ein monströses Attentat hinaus, wie es schon hundertmal in Actionfilmen gezeigt wurde. Ritchies bekannte Vorliebe für Jump Cuts, zeitliche Brüche und Rückkopplungen wirkt hier affektiert. Und der Boxkampf, in dem Holmes sich seinen Kater aus dem Leib prügeln lässt, ist nahezu identisch mit jenem in „Snatch“.

Ja, der Meisterdetektiv, früher ein eleganter, auch dünkelhafter Gentleman, kombiniert nicht nur, er schlägt sich mit bloßem gestählten Oberkörper wie ein Schweinezüchter und löst den Fall dabei mit CSI-Methoden. Zudem ist er meistens unrasiert und mindestens so missgelaunt wie Dr. House. So ist „Sherlock Holmes“ keine Neuinterpretation eines auf ewig zementiert geglaubten Charakters, sondern ein Flickwerk aus den prägnantesten Bildern heutiger Film- und Fernseherfolge. Dank Robert Downey Jr. erhält Holmes trotzdem und vor allem in den eher ruhigeren Szenen ein sehenswertes Profil. Wie er mit Jude Law als Dr. Watson parliert, ist oft sehr amüsant. Am Ende erwärmt auch der coole Holmes sich für eine Frau, womit das geschickt lancierte Gerücht, der Film enthalte einen schwulen Subtext, aus der Welt wäre. Fortsetzung folgt. (WARNER)

Oliver Hüttmann

Ab morgen gibt es den Film auf DVD und Blu-Ray. Wir verlosen 3 Packages, jeweils bestehend aus 3 Longsleeves, 3 Caps, 3 Soundtracks und 3 DVDs. Wer eines haben möchte, der schreibe samt Postadresse unter dem Stichwort „Holmes“ an verlosung@www.rollingstone. Viel Glück!