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So war das Orange Blossom Special 14: Friede, Freude, Erdbeerkuchen

Jetzt rede hier bitte keiner von Happy-Hippie-Flair und Love, Peace & Harmony-Klischee, bloß weil die Zeltnachbarn ebenselbigem entsprechen und über das Burg Herzberg fachsimpelnd, Dylan-Bootlegs-hörend beim Frühstück sitzen. Die Freundlichkeit, die entspannte Geselligkeit, die Do-It-Yourself-Professionalität und die hör- wie fühlbare Musikleidenschaft funktionieren auf dem OBS augenscheinlich Generationen- und Subkulturenübergreifend. Da sah man den vermeintlichen Sohn des Beverunger Großindustriellen, der mit seinem cheesy Porsche in Orange metallic morgens stolz seinen Ellenbogen, seinen R’n’B-Sampler und sein Höxter-Kennzeichen präsentierte, später am Abend ebenso zu den Altherren der Godfathers kopfnicken, wie die bierseelige Dorfjugend, die Hippienachbarn samt Kindern und den OBS-Veteranen mit seinem „OBS 3“-T-Shirt, der mit seiner monatlichen Glitterhouse-Bestellung vermutlich den Laden am Leben und Laufen hält.

Es dauert deshalb nicht lange, bis sich die Einsicht formte, dass es genau die richtige Entscheidung war, die persönliche Festivalsaison nicht mit den ganz großen Bühnen und Namen zu beginnen, sondern mit einem Festival, das zu Recht einen – wenn auch manchmal unfairerweise belächelten – Kultstatus genießt. Aber es ist auch einfach anrührend zu erleben, wie gut dieses Festival, das Jahr für Budget-technisch „auf Kante genäht“ ist, für alle Beteiligten funktioniert, und wie man hier ganz selbstverständlich Dinge sieht, die anderen Veranstaltungen dieser Art inzwischen abgehen. Zum Beispiel eine Band, die nun wirklich noch keine Sau kennt und die zudem auf den sperrigen Namen Golden Kanine hört (was den ein oder anderen Karnickel-Witz mit sich brachte), die dann aber trotzdem von gut 1.300 Leuten befeiert und befeuert wird, bis sie ganz freudentrunken von der Bühne strahlt. So geschehen am Sonntagnachmittag. Die Schweden, die ihre Vorliebe für Waits, Folk und tollen Rumpelkram wie O’Death (die der Sänger auch auf dem T-Shirt trug) gekonnt auslebten, ließen sich feiern und wurden gefeiert. Zu Recht, denn Songs wie „December“ und „Scissors“ dürften auch Großkalibern wie Arcade Fire ein anerkennendes Nicken entlocken.

Line-up-Highlights waren nach Kritiker- und Publikumsmeinung der elegische Festivalausklang von Savoy Grand, der akustische Schlummertrunk von William Fitzsimmons zum Ende des ersten Festivaltages sowie das Zusammentreffen von Chris Eckman, Hugo Race und Chris Brokaw alias Dirtmusic mit Tamikrest aus Mali. Die schwere Kost von Woven Hand, der wie immer mit erschütternder Hingabe von Tod und Teufel sang, mochte dagegen nicht jeder schultern. Auch Kante, bei denen sich ein Großteil des Publikums freute, dass sie sich mal aus ihren Theater- und Hochkulturengagements befreit haben, stießen in den hinteren Reihen auf Desinteresse – eigentlich schade, denn sie haben ja einfach mal Songs für die Ewigkeit, die in Sachen deutschsprachiger Musik qualitativ ganz vorne dabei sind. Sei es „Aktuelleres“ wie „Zombie“ oder der Klassiker „Die Summe der einzelnen Teile“.

Kashmir warfen mit ihrem leidenschaftlichen Einsatz dann wieder die Frage auf, warum eigentlich eine Band mit solch wunderbarem, gekonnten, großen Pop, so „klein“ sein muss, dass sie seit Jahren als ewiger Geheimtipp unterwegs sind. Ähnliches lässt sich von Murder By Death sagen, die wie Woven Hand nur die schwärzesten Themen, Gefühle und moralischen Untiefen besingen, dies aber sehr beschwingt tun und dabei stets klingen, als wäre ein Nick Cave mit Calexico in die Kiste gestiegen.

Erstaunlich gut waren dann ausgerechnet die alten Herren der Godfathers, jener Punkband, die 1988 mit „Birth, School, Work, Death“ einen ebenso simplen wie kraftvollen Hit auf das Schicksal der Working-Class-People hatten. Darauf werden sie leider immer noch reduziert, was schade ist, denn mit „Love Is Dead“, „If I Only Had Time“ und „Cause I Said So“ haben sie eigentlich noch ein paar Songs mehr, die ihren breitbeinigen, aber mit Anzug behangenen Rock’n’Roll mit Punkeinschlag glaubhaft an den Mann bringen. Das Publikum auf dem Orange Blossom sah das anscheinend ähnlich, denn die Herren wurden mit lautstarkem Jubel verabschiedet, nachdem sie den Auftritt mit ihrer Version von Lennons „Cold Turkey“ souverän zu Ende brachten. Ach ja, ebenso erstaundlich: Der neue Song „I Can’t Get No Sleep Tonight“ war ebenfalls verdammt gut – wann passiert das schon mal bei einer ins Krähenfußalter gekommenen Punkband?

Was aber das Orange Blossom so angenehm machte, war die schlichte Erkenntnis, dass man ein Festival auch so gestalten kann, dass man nicht das Gefühl hat, in einer riesigen Melkmaschine gelandet zu sein. Was natürlich auch eine Frage der Größe und der Preis- und Gewichtsklasse der großen Acts ist – schon klar. Aber hier ging man mal nicht mit traurigem Blick in den Geldbeutel zur Biertheke, denn das Bier gab’s hier für zwei Euro. Auch die Essenpreise waren so, dass man überhaupt nicht mehr das Bedürfnis verspürte, sich irgendwelche Kühlboxen vollzupacken und leerzugrillen. Zudem gab’s nicht die sonst handelsübliche Wahl zwischen Ekeldöner und Pizza Mario, sondern wirklich gutes Zeug. Wobei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich der selbstgemachte Erdbeerkuchen gelobt sei.

Es mag abgeschmackt sein, hier das Fazit zu ziehen, dass man sich rundum wohl fühlte, aber man kann es an dieser Stelle ruhig noch einmal tun, wo doch der Autor dieser Zeilen schon viele Festivals gesehen hat und eigentlich immer (mindestens) irgendeine Kleinigkeit auszusetzen hatte. Und eben diese Kleinigkeit war hier nicht zu finden. Nicht mal bei den Toiletten.

Daniel Koch


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