So was das PLUS 2012: Pandas und Sumpfmenschen

So was das PLUS 2012: Pandas und Sumpfmenschen

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Darf man als Musikjournalist noch Fan sein? Kann man als Fan noch objektiv und sachlich berichten? Diese Fragen mag sich so mancher häufiger stellen, besonders vor Festivals und Konzerten, auf die sich der Betreffende schon lange freut. So auch beim diesjährigen Prima Leben und Stereo bei Freising.

Vierzehn Bands bespielten das Gelände am Vöttinger Weiher am 3. und 4. August, bei strahlendem Sonnenschein und drückender Hitze. Dabei schien es zunächst, als fiele das Festival ins Wasser: Am Donnerstagabend begrüßte ein zünftiges Gewitter mit Hagel und kräftigen Windböen die ersten, bereits angereisten Festivalbesucher. Doch nach einer nasskalten Nacht erwachte Vötting unter gräulichen Wolken, die im Laufe des Tages einem blau-weißen Himmel wichen. Dennoch hatte sich gerade auf dem Campingplatz eine gigantische Schlammgrube ausgebreitet, die unbedarfte Camper in dunkelbraune Sumpfmenschen verwandelten.

Während sich einige Festivalbesucher noch im Weiher tummelten, baute die erste Band, Nerd On Promnight bereits ihre Instrumente auf. Als diese um 15.30 Uhr dann das Festival eröffneten, brachten sie mit ihrem vielseitigen, Placebo-angehauchten Rock die noch spärliche Zuschauermenge zum Hüpfen. Den Münchnern, die zum großen Teil klangen, als stammten sie vom Soundtrack einer amerikanischen Teenie-Komödie, folgten die jungen Herren von Pandoras Box. Diese sorgten mit ihrem post-rock-artigen Songstrukturen und Trommelrhythmen, die stark an Radiohead denken ließen, für die erste angenehme Überraschung des Festivals. Zwar floss in den Texten der Band eine gehörige Portion Pathos mit, stimmte den Zuhörer aber schon einmal auf The Notwist am folgenden Abend ein.

Vierkanttretlager aus Husum sollten Pandoras Box eigentlich folgen, mussten wegen einer Mandelentzündung des Sängers Max Leßmann leider absagen. Eingesprungen waren Mega! Mega! aus Berlin, die mit ihrem deutschen Rock im Stile der Hamburger Band Fotos und den Chemnitzern von Kraftklub die Menge anheizte.

Nach ihnen durfte die Band Auletta das Zepter in die Hand nehmen. Der Bereich vor der Bühne wurde nun vom Publikum schon fast vollständig besetzt –die Mainzer erinnerten mit ihrem deutschen Indie-Rock teils an die Sportfreunde Stiller, teils an Slut. Abgeschlossen wurde die Setlist von dem Fifa-2010-Song „Meine Stadt“, der bei untergehender Sonne und großen Applaus verhallte.

Bodi Bill läutete anschließend die Berliner Teil des Abends ein: Die Band spielte vor gleißenden Lichtern einen gelungenen Mix aus Industrial-Rock, Electro und New Wave, die zeitweise an Yeasayer, Woodkid oder sogar Nine Inch Nails denken ließen. Dancehall Beats wechselten sich mit House-artigen Synthesizern ab und luden zum Tanz. Viel Zeit sich auszuruhen blieb dem Publikum leider nicht, da der zweite Berliner Act und erste Headliner des Festivals folgte: Frittenbude. Begleitet von menschlichen Maskottchen (Panda, Katze, Pinguin) stimmten die Audiolith-Zöglinge ihren gaachen Technopunk an. Songs wie „Wings“, „Mindestens in 1000 Jahren2 und „Von allem zu viel“ heizten die Masse an. Diese animierte die Band dazu, die zivilen Polizisten, die versuchten, den örtlichen Graskonsum zu reduzieren, mit Stinkefingern grüßen zu lassen.

Ebenfalls elektronisch ging es bei Jeans Team zu. Die letzte Band des Abends ließ den Abend mit einem guten Auftritt ausklingen, während einige Festivalbesucher bereits zur Seebühne pilgerten, wo schon den ganzen Tag diverse DJs auflegten.

Der Samstag begann dann ruhig – nachdem der Müll des Vorabends von den freiwilligen Helfern entfernt worden war, trat mit den Young Chinese Dogs die erste Band des Tages auf. Der zuckersüße Folkpop, der stark an Peter, Paul and Mary erinnerte, lockte die verkaterten Festivalbesucher auf das Gelände zurück und erleichterte ihnen den Einstieg in diesen zweiten und letzten Festivaltag.

Die „local heros“, die Monday Tramps aus der Region, folgten und lieferten das ab, was die – zum Teil von weit her angereisten – Fans auch erwarteten: guten, alten Rock’n’Roll. Aus gegebenem Anlass besannen sich die Herren auf die schnelleren Songs wie „Misery“, „Villa Rubia“ und „Lullabies“, sowie ihr obligatorisches Cover vom Beatles-Song „Come Together“. Völlig zu Recht verlangte das Publikum hinterher eine Zugabe – was sich aus zeitlichen Gründen jedoch leider nicht machen ließ.

Statt der österreichischen Band Effie – die auch aus gesundheitlichen Gründen absagen musste – spielte Adolar. Auch die Band aus Leipzig schlug rockige Töne an, um ihre deutschen Texte zu begleiten und erinnerten zeitweise an eine giftige Kreuzung aus Madsen und den Foo Fighters.

Anschließend übernahmen Die Türen die musikalische Bespaßung – Maurice Summen ließ keinen Zentimeter der Bühne unbetanzt und karikierte mit seinen Texten die „Leider geil“-Stimmung in der deutschen Popmusik.

Positive Energie gab es anschließend von der zauberhaften Nina Sonnenberg, Sportis Rüde Kinhof und Emil Bulls Paul Reno aka Fiva & das Phantom Orchester. Die Rapperin und ihr musikalisches Gefolge ließen mit ihrem gutgelaunten Deutsch-HipHop die Masse tanzen, ihr Lachen und die scharfsinnigen Wortspiele verdrehten sämtlichen Zuschauer die Köpfe.

Das absolute Highlight des Festivals waren unbestritten The Notwist. Diese Soundingenieure, die mit chirurgischer Präzision einen Wall an Sound erbauten, ein kakophonisches Monster, das sich im nächsten Moment zur schnurrenden Miezekatze zusammenrollte. „Hands“ eröffnete das Set, gleich gefolgt von „Pick Up The Phone“. Das Publikum lauschte andächtig oder tanzte wie in Trance, während die Weilheimer viele Stücke aus ihrem legendären Album „Neon Golden“ spielten. Abgeschlossen wurde das Konzert von einer herzzerreißenden Version ihres Songs „Consequence“. Das hinterließ nicht nur die Autorin glücklich, auf dem ganzen Gelände sah man strahlende Gesichter.

Das Niveau konnten die Hamburger Fuck Art Let’s Dance leider nicht halten, was aber nach diesem Auftritt von The Notwist auch schlichtweg unmöglich war. Die Indietronic Band trotzte dem dennoch mit forcierten Drums und gesampleten Synthesizern.

Ganz verlassen konnte The Notwist das Festival aber trotzdem nicht – im Pressezelt hörte man nach wie vor die Weilheimer musizieren. Und als man sich dann endlich ein Feierabendbier gönnt, sich auf den Presseturm sitzt und sich umsieht, da fällt einem wieder ein: Darf man als Musikjournalist eigentlich noch Fan sein? Und auf einmal ist die Antwort auch nicht mehr schwer. Man soll sogar. Von diesen kleinen Festivals sogar unbedingt.

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