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Streitbar: Bushido bekommt Bambi für Integration

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Streitbar: Bushido bekommt Bambi für Integration

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Am Donnerstag wird erneut der renommierte Medienpreis Bambi verliehen. Die Preisträger werden nun nach und nach auf der Website der Veranstaltung bekannt gegeben. So weiß man bereits, dass der Bambi „Entertainment“ an Justin Bieber gehen wird, der Bambi in der Kategorie „Pop International“ an Lady Gaga, der Bambi für das „TV Ereignis des Jahres“ an Thomas Gottschalk und seine Mallorca-Ausgabe von „Wetten, dass…?“ und der „Millennium“-Bambi an Kanzlerkandidatenempfehler Helmut Schmidt. So weit, so nachvollziehbar. Die heute bekannt gegebene Vergabe des Bambi für Integration dürfte allerdings für Stirnrunzeln sorgen: Der von Hubert Burda Media verliehene Preis geht an Bushido.

Die Jury erklärt: „Er gilt als der erfolgreichste Rap-Musiker Deutschlands und ist ein hervorragendes Beispiel für gelungene Integration: Bushido, Sohn einer deutschen Mutter und eines tunesischen Vaters, wuchs unter schwierigen sozialen Bedingungen auf und schaffte es nach ganz oben. Mit seinem eindringlichen Sprechgesang und oft provokanten Texten eroberte er die Hitparaden. Seine CDs wurden vielfach ausgezeichnet, national wie international. Bushido ist heute Gesprächspartner und Ratgeber für Politiker. Seine Stimme findet Gehör, nicht nur bei Millionen Fans, sondern auch in den Medien. Als willkommener Gast in Talkshows und Interviewpartner proklamiert er das Selbstverständnis vieler Deutscher mit Migrationshintergrund: ‚Egal woher unsere Väter kommen, wir sind Deutsche‘. Bushido setzt sich ein gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft.“

Eine, sagen wir, mutige Entscheidung, denn auch wenn Bushido heutzutage den domestizierten Skandalrapper gibt, der lieber im Talkshowsessel als auf der Straße austeilt, ist es schon erstaunlich, dass die „provokanten Texte“ (ein gutes Beispiel ist der Text aus „Gangbang“ vom 2004er-Album „Electro Ghetto,) aus der Frühphase seiner Karriere und sein nicht gerade westlich-liberales Frauenbild, das zuletzt 2010 im Interview mit Sibel Kekilli deutlich wurde („Es ist doch ein Unterschied, ob einer seine Ehefrau zu Hause jeden Tag kaputt schlägt. Das macht man nicht, Punkt. Aber wenn ich in einer Disco bin und eine Frau sagt: ‚Pass mal auf, du Hurensohn …‘ – dann hau ich ihr auf die Fresse.“), so schnell in Vergessenheit geraten sind. Ein Kurzzeitgedächtnis dieser Art findet man sonst doch eher im politischen Journalismus…

Bleibt also die Frage, ob Bushidos Stimme, die laut Jury „Gehör findet“, wirklich gehört wird, weil er eben auch mal Sätze sagt, wie den oben zitierten: „Egal woher unsere Väter kommen, wir sind Deutsche.“ Oder aber, weil er noch vor ein paar Jahren Zeilen rappte wie diese: „Herzlich Willkommen auf dem Asphalt er singt dir ein Lied, / guck zum Horizont, was willst du Kind hier, / zwischen Männern die mit Hero und Koks ticken, / wir sind die drei die euch Zecken in den Zoo schicken. / Die euch so ficken, bis ihr euer Blut kotzt, / ich bin Berliner der nicht redet sondern zuboxt. / Deine ganze Familie sind Taschenspieler, / ich werd zu 90 % morgen Waffendealer. /Ich werd es machen wie der Cowboy im Western, / ich drink nur noch Whiskey und fick deine Schwestern. / Bring mir alle deine Kumpels und Pfadfinder, /geht macht ne Boyband und nennt euch die Arschkinder.“

Es ist natürlich richtig, dass der Bushido von heute sich tatsächlich hin und wieder „gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft“ einsetzt, sein Geld verdient er allerdings immer noch mit einer Inszenierung, die außer der Botschaft „Ich hab’s geschafft, und ihr könnt’s auch!“ wenig Integrationsförderndes oder Versöhnliches transportiert. Das sollte man bei aller Freude der Medien darüber, in Bushido einen „Talkshowgast“ und „Interviewpartner“ mit Migrationshintergrund, Unterhaltungswert und sogar Street Credibility zu haben, am Ende nicht vergessen.

Ist dieser Preis also das richtige Zeichen? Die Diskussion dürfte eröffnet sein…

 

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