Tausende demonstrieren in Berlin gegen sexualisierte digitale Gewalt

Die Demonstrierenden solidarisieren sich mit Collien Fernandes.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Mehrere tausend Menschen sind am Sonntagnachmittag in Berlin auf die Straße gegangen, um gegen sexualisierte digitale Gewalt zu protestieren. Am Brandenburger Tor versammelten sich laut Polizei rund 6.700 Menschen, die Veranstalter sprachen sogar von bis zu 13.000 Teilnehmenden. Ursprünglich angemeldet waren lediglich 500 Personen. Die Demo läuft noch bis 19 Uhr.

Auf zahlreichen Plakaten sind Slogans zu lesen wie: „Mein Körper gehört mir – auch digital!“ Die Demonstration steht unter dem Motto: „Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern“. Initiiert wurde sie vom neu gegründeten Bündnis Feminist Fight Club!, das auf „strukturelle Missstände und Gesetzeslücken im Kontext von digitaler und analoger sexualisierter Gewalt in Deutschland“ aufmerksam machen will. Collien Fernandes hatte selbst zur Teilnahme aufgerufen.

Politik fordert schärfere Gesetze

Auch politisch bringt die Debatte viel ins Rollen. Der Brandenburger Innenminister Jan Redmann forderte ein konsequenteres Vorgehen gegen digitale Gewalt: „Wir müssen dafür sorgen, dass Polizei und Sicherheitsbehörden Täter auch im Netz identifizieren, Straftaten verhindern und Betroffene wirksam schützen können.“ Zugleich stellte er klar: „Digitale Gewalt ist reale Gewalt.“

Die Berliner Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe verwies auf ein neues Projekt gegen digitale geschlechtsspezifische Gewalt, das Beratungsstellen stärken soll. Bereits zuvor hatte Innensenatorin Iris Spranger ein eigenes Gesetz gefordert: „Wer Menschen im Netz jagt, bedroht oder entwürdigt, greift ihre Würde genauso an wie auf offener Straße.“ Auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig kündigte an, ein Gesetz zum besseren Schutz vor digitaler Gewalt auf den Weg zu bringen.

Instagram Placeholder
An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Wachsende Bewegung gegen digitale Gewalt

Die hohe Teilnehmerzahl zeigt: Das Thema hat in kürzester Zeit große Aufmerksamkeit erregt. Die Demonstration in Berlin ist dabei nicht nur ein Ausdruck von Solidarität, sondern auch ein deutliches Signal an Politik und Justiz. Der Aufschrei im Netz sowie die Demo zeigen, dass viele Betroffene und Unterstützende nicht länger bereit sind, digitale Gewalt als Randphänomen zu betrachten.

Women, including social democratic SPD politician Saskia Esken (L, hidden) hold a placard reading "Yet another loving husb...
Demonstration gegen sexualisierte digitale Gewalt in Berlin

Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt erklärte bereits, dass „die Berichterstattung (…) aus mehreren Gründen rechtswidrig“ sei. Es würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“.

JOHN MACDOUGALL AFP via Getty Images

Kristina Baum schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.