The Felice Brothers im Gespräch


Das Konzert der Felice Brothers im November musste bekanntlich sehr kurzfristig aus Krankheitsgründen abgesagt werden. Nachholtermin ist der 26. März. Hier noch einmal unser Feature zum Albumrelease:

In Celebration, Florida, ist die Welt in Ordnung. Die vor 20 Jahren vom Walt-Disney-Konzern erdachte Planstadt in Osceola County ist so sauber wie das Set von „The Stepford Wives“ und verkörpert idealtypisch die US-amerikanische Vorstellung vom guten Leben. Ian Felice hat das neue Album seiner Band The Felice Brothers nach ihr benannt.

Eine Utopie kreieren, aus der Wirklichkeit aussteigen, das ist die Strömung unter den Liedern auf „Celebration, Florida“. „Ich nehme an, ich bin desillusioniert, was die Realität angeht“, sagt Felice, „ich mache mir lieber mein eigenes Xanadu.“ Einigen der Charaktere, die Felice mit seinen neuen Songs erschafft, geht es ebenso. Ein Toter fährt allnächtlich in die Stadt zurück und will sich mit seinem feuchten Grab nicht zufriedengeben. Ein anderer baut eine Maschine, um in die Vergangenheit zu reisen – damals kannte er Oliver Stone und genoss sein aussichtsreiches Leben. Eine Frau sucht nach einem geheimen Paradies, getrieben von einer Erinnerung.

Auch die Felice Brothers haben sich weggewünscht, als sie ihre Band gründeten. Von Anfang an erkannte man in den Liedern der Brüder Ian, Simone und James Felice ein anderes, älteres Amerika. Genau verorten konnte man dieses Amerika nicht, doch die Ähnlichkeit mit The Band und Bob Dylan machte die Felice Brothers zur Speerspitze des Folk-Revivals, in dessen Rahmen ja sehr verschiedene Momente US-amerikanischer Musik revitalisiert werden. Die Felice Brothers wollen sich um Himmels willen nicht als Pioniere sehen und erkennen auch keinen Zusammenhang zwischen sich und den Fleet Foxes oder Low Anthem.

Dass es wohl tatsächlich nicht um Reenactment und Traditionalismus geht, wird jetzt deutlich. Auf „Celebration, Florida“ experimentieren die Felice Brothers mit Drum Machines und Synthesizern, Krautrock-Geräuschen, Eighties-Electro und Vaudeville-Seltsamkeit (aber auch mit funky Bläsersätzen). Mit dabei: Synthesizer-Pionier Malcom Cecil. Cecil erfand einst den legendären TONTO, ein begehbares Instrument, mit dessen Hilfe zum Beispiel Stevie Wonder seinen Klang modernisierte. „Er wohnt in der Nachbarschaft, und wir sind Fans seiner Arbeit“, erklärt Ian Felice, „wir brachten ihm unsere Aufnahmen, und er verzauberte sie.“



Alter, Tod und Blasensteine – Das Thema „Krankheit“ in der Popmusik

  Eric Pfeils Pop-Tagebuch, neue Folge 2 „Rock’n’Roll is an old man’s game now“, sprach kürzlich mein Held, der 60-jährige Songschreiber Robyn Hitchcock. Da hat er natürlich Recht, die big players sind alle um die Siebzig: die Rolling Stones, Paul McCartney, Bob Dylan, Leonard Cohen, Howard Carpendale. War Altern in der Popmusik in den Achtzigern aber noch ein großes Problem (was zu katastrophalen Midlife-Crisis-Produkten von Leuten wie Lou Reed, Neil Young oder Dylan führte), kräht heute niemand mehr direkt „Aufhören!“, sobald sich irgendwo Rock-Veteranen mit Knitterlook zum Saitenzupfen versammeln. Natürlich ist das Musikgeschäft für einen Musiker im fortgeschrittenen Alter nicht…
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