Top Ten Club: Vinylkönig David Bowie – er bleibt die Nummer eins


Der Top Ten Club meldet sich in dieser Woche aus dem spanischen Baskenland. Genauer gesagt aus dem Cafe Bilbao am Plaza Nueva, wo eilige Cortado-Trinker einen schnellen Blick in die Tagespresse werfen. Das lokale Team der Herzen, Athletic Bilbao, ist gestern Abend nach großem Kampf erst im Elfmeter-Schießen der Europa League am Ligarivalen FC Sevilla gescheitert. Entsprechend lebhaft sind die Kommentare am Tresen. Zur musikalischen Untermalung läuft ein exzentrischer Mix aus Amy Winehouse, “Sympathy for the Devil” und allerlei producto domestico.

Love of Lesbians etwa, die mit ihrem Album “El Poeta Halley” derzeit Platz zwei der spanischen Albumcharts belegen. Wer nun denkt, dahinter würde sich ein schrilles Hispano-Queer-Projekt a la Army of Lovers verbergen, ist komplett schief gewickelt. LoL sind eine eher konventionelle Indie-/Alternativo-Rockband aus Catalunya, die optisch in etwa rüberkommen wie Coldplay oder Muse. Eine Zehner-Jahre-Gitarrencrew mit Post-Poprock-Geschmack. Nicht wahnsinnig originell, aber auch nicht wesentlicher schlimmer als die englischen oder amerikanischen Vorläufer. Der Trend geht halt überall in Europa zu heimischen Musikern, die vorzugsweise in der jeweiligen Landessprache das singen, was im Mutterland des Pop derzeit sehr erfolgreich Bands wie The 1975 trällern.

Zurück ins Land der „Echos“. 35 Prozent Umsatzplus bei Vinylschallplatten vermeldet stolz der Bundesverband kurz vor dem “Record Store Day” (16. April). Eine nochmalige Steigerung in der Tonträger-Nische. Immerhin 677.000 Alben gingen 2015 über den Plattenhändlertresen, wobei David Bowies letztes Album “Blackstar” posthum viele alte Fans noch einmal zum Kauf lockte: Platz Eins der Vinyl-Charts vor AnnenMayKantereit. Auch Iggy und Joshys “Post Pop Depression” findet sich in dieser “Analog-Hitliste”.

Schlager, Schlager, Schlager

Und die echten, regulären Offiziellen Deutschen Albumcharts? Eher Schnarch! Schlager-Grand-Dame Andrea Berg auf der Eins mit einem nachgeschobenen Live-Ding (“Seelenleben”) vor Kollegin Beatrice Egli, die mit dem schönen Knackreim-Titel “Kick im Augenblick” rüberkommt. Tja, soweit zur schnöden Realität im Reich von Helene Fischer. Da können die prominenten Notierungen der Remmi-Demmi-Crossover-Rapper OK KID oder die altgedienten Deftones auch nicht mehr viel retten. Der Mainstream 2016 ist halt ein bunter Flickenteppich, der mal in dieser, und in der nächsten Woche schon in der nächsten Farbe schimmert.



Die 100 größten Musiker aller Zeiten: The Rolling Stones – Essay von Steven van Zandt

The Rolling Stones Von Steven Van Zandt Die Rolling Stones sind mein Leben. Wenn sie nicht gewesen wären, wäre ich tatsächlich ein „Soprano“ geworden. Das erste Mal sah ich sie im Fernsehen. Das war 1964. Die Beatles waren damals perfekt: die Haare, die Harmonien, die Anzüge. Sie verbeugten sich synchron. Ihre Musik war ungeheuer raffiniert. Die ganze Sache war aufregend und fremdartig, aber auch sehr weit weg in ihrer Perfektion. Die Stones waren auch fremdartig und aufregend, aber bei ihnen lautete die Botschaft: „Vielleicht kannst du das auch.“ Die Haare waren schlampiger. Die Harmonien ein bisschen daneben. Und lächeln taten…
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