Tränen aus Motoröl

Den Arm aus dem Fenster, das Radio voll an/ Draußen hängt ein Fuchsschwanz dran/ In jeder Karre sitzen vier Mann/ Die Bullen eben in der Stadt abgehängt/ Mit 110 einen Ford versenkt/ Und einen Fiat ausgebremst.“ Ich muss weinen, wenn ich das höre! Und zwar nicht, weil diese Single-B-Seite (die A-Seite war „Bommerlunder“) so knackt, oder Campino schon seit geraumer Zeit ab und an in der „Gala“ zitiert wird, als wäre er ein Lifestyle-Opfer wie Lindsay Lohan oder Miley Cyrus. Nein, die Tränen riechen nach Motoröl 20W50: Mein Opel Manta A, Baujahr 1972, 1,9-Liter-Motor, steht noch vor der Werkstatt, aber eigentlich ist es aus. Ich bekomme keine Hinterachse. Die Opel AG kann mir nicht helfen, im Gegenteil. Mit der ist es ja ebenfalls aus! Bis 2016 wird in Bochum noch produziert, dann tropfen dort ölige Tränen en masse aus Knopflöchern. Dann hat General Motors die Fahrzeugproduktion seiner Tochter eingestellt. Was im Falle des neuesten Opelmodells „Adam“, das aussieht, als ob es schielt, vielleicht gar nicht so schlimm ist. Zumal jeder, der kein eigenes Auto fährt, ein Fall für den öffentlichen Nahverkehr ist und somit Asthmatikern und Blumen das Leben erleichtert. Oder, sollte er in einer einigermaßen pfiffigen Stadt wohnen, für kleines Geld in kleinen Leihautos herumfahren kann, die allerdings so sexy sind wie Radlerhosen.

Trotzdem. Ich hätte nie gedacht, mal eine objektophile Verbindung zu einer derartig systemstabilisierenden Maschine gestehen zu müssen: Opel, also GM, Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg, jede Menge Zwangsarbeiter, und nun die Entlassungen in allen Werken, die, wenn Kapitalistenauge sich nicht täuscht, vor allem mit in den letzten Jahren verbaselten Marktstrategien in Asien zusammenhängen. Für mich waren eh stets nur die Modelle bis Baujahr 1975 interessant: Der GT, der dem – im wahrsten Wortsinn – kleinen Manne das Gefühl gab, da ganz oben, bei den Playboys, Lamborghini- und Ferrari-Affen mitmischen zu können, und zwar mit diesem niedlichen, billigen, deutschen Zwergen-Sportwagen, bei dem man sich fast die Schulter auskugelte, wenn man in der Dämmerung mal eben die Klappscheinwerfer betätigte. Ich weiß es, denn ich hatte mal einen, und musste immer rechts ranfahren, um mit beiden Händen am Hebel zu reißen. Indes habe ich es keinen Tag bereut, und dass er untenrum eigentlich nur noch aus Gips bestand, sah man schließlich nicht. Ich verkaufte ihn dennoch in 0,00009 Nano­sekunden im Internet, denn mir fiel beizeiten auf, dass so ein Zweisitzer kein wirklich geeignetes Familienauto ist, jedenfalls nicht, wenn man sich noch nicht getrennt und mehr als ein Kind hat. Der Manta A ist ganz anders: Ihn hatte ich schon lange in einem Werbeclip von 1970 bewundert, in dem Kotelettenträger Egon mit seinem neuen Auto vor der Verlobten Hannelore angeben möchte, und sich dann ungemein ärgert, weil Hannelore sowohl ihre dicken Wirtschaftswundereltern als auch den nervigen Bruder mit zum romantischen Tête-à-Tête nimmt. So sauer ist Egon, dass er am Ende des Clips, als die Verwandtschaft endlich im Auto sitzt, den aufgeblasenen Schwimmdelfin, den der kleine Bruder mitgeschleppt hat, durch einen wütenden Schlag auf die Schnauze in den geräumigen Kofferraum quetscht. Fünf Personen und ein Delfin!

Zudem diese ganze Ruhrpott-Opel-Gang-Geschichte: Die Toten Hosen stammen bekanntlich aus Düsseldorf, und bei denen wäre ja sowat von Schicht im Schacht, hömma, wenn sie behaupteten, Teil des Potts zu sein. Bochum dagegen wurde von Herbert Grönemeyer als „Blume im Revier“ besungen, darum macht sich der Musiker offiziell für den Erhalt der Arbeitsplätze seiner Heimatstadt stark.

Kooperation

Schließlich, auch wenn Individualverkehr genauso unzeitgemäß wie Printausgaben lesen und CDs hören scheint: Im Gegensatz zum Blogger hat der Mechaniker wenigstens eine anständige Ausbildung. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass später, wenn alles perdu ist und die Menschheit nach dem atomaren Winter friert, eher der Opel-Arbeiter weiß, wo man noch etwas zu essen findet, und wie man aus Draht und einer kaputten Hinterachse ein Feuer macht. Der deutsche Lieder­macher kann höchstens davon singen.

Jenni Zylka und Uwe Kopf sind unsere neuen Typewriter-Kolumnisten – und wechseln sich monatlich ab.


Mit diesen Effektpedalen lässt sich der Sound großer Gitarristen rekreieren

Ähnlich wie die Gibson Les Paul und Fender Stratocaster haben auch einige Effektpedale einen legendären Ruf. Mit ihnen lassen sich selbst simple Riffs und Melodien in ausladende, eindringliche oder bretternde musikalische Highlights verwandeln. Das sind die Lieblings-Pedals großer Musiker, mit denen sich unschlagbare Signature-Sounds auch zu Hause nachspielen lassen. Jimi Hendrix https://www.youtube.com/watch?v=wqLEg0MsSMQ Dass Jimi Hendrix Spaß am Experimentieren mit Effektpedalen hatte, ist nicht zu leugnen – der Musiker nutzte als einer der ersten Künstler seiner Zeit Pedale, um seinen Songs Multidimensionalität zu verleihen. Insbesondere der Wah-Effekt gehörte zu seinen Favoriten, er kommt in Songs wie „Voodoo Child” zur Geltung. Jack…
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