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TV-Kritik: „Die Chefin“ kehrt zurück – besser geht’s kaum


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In diesem Jahr bringt der Nikolaus tatsächlich mal etwas Vernünftiges: Am 6. Dezember beginnt die dritte Staffel von „Die Chefin“, und man darf froh und munter sein, dass es endlich eine deutsche Serie (jenseits der grausamen „Daily Soaps“) schafft, einen längeren Lauf zu haben, ohne dass darin Ärzte, Krankenschwestern oder Tiere vorkommen. Und das auch noch im ZDF!

„Die Chefin“ ist eine klassische Krimiserie, in der die Hauptkommissarin überraschenderweise einen normalen Namen ohne Alliteration (a la „Rosa Roth“ oder „Bella Block“) trägt: Katharina Böhm, 49, ist als Vera Lanz schlicht grandios. Man hat sich ja so an die müde Eleganz von Maria Furtwängler und die robuste Hemdsärmeligkeit von Ulrike Folkerts gewöhnt, dass man fast vergessen hätte, dass es noch besser geht. Vera Lanz lässt sich nichts gefallen, weder von ihren Kollegen Jan Trompeter (putzig: Stefan Rudolf) und Paul Böhmer (prollig: Jürgen Tonkel), noch von potenziellen Liebhabern. Den etwas schmierigen Typen von der Undercover-Einheit (wer sonst: Misel Maticevic) fragt sie trocken: „Haben Sie meinen Brüsten irgendwas zu sagen?“ Das gelingt ihr tatsächlich ohne doofe Koketterie. Das liegt auch am Drehbuch von Axel Hildebrand: Klischees kommen hier fast nicht vor, weshalb das Team all seine Stärken ausspielen kann, ohne über gestelzte Schlaumeiersätze zu stolpern. Besonders subtil: die Auftritte von Bernhard Schir. Er gibt als interner Ermittler den ewigen Bedenkenträger, der keinem glaubt und nichts für unmöglich hält. Oft hat er recht.

In der ersten Folge der dritten Staffel missglückt dem Team von Vera Lanz ein großer Schlag gegen einen Drogenring. Es gibt Verletzte, der V-Mann wirkt zwielichtig, auch der nächste Einsatz scheint gefährdet. Alles droht aus dem Ruder zu laufen, und doch hat man jederzeit das Gefühl, Lanz weiß, was sie tut. Diese natürliche Souveränität macht „Die Chefin“ so sehenswert (und ziemlich sexy). Man nimmt Lanz auch noch ab, dass in all dem Chaos in der Kneipe lässig ein Bier kippt, während der V-Mann sie unbedingt abschleppen will. Ob es ihm gelingt, bleibt offen. Auch schön, dass man sich hier mal traut, nicht alles auszuformulieren. Was nicht gezeigt wird, ist ja oft am spannendsten. (Eine Einsicht, die bei US-Serien immer häufiger ignoriert wird, siehe „Hannibal“ oder „The Following“.)

Acht Folgen von „Die Chefin“ zeigt das ZDF ab dem 6.12. – und schon nach dem Auftakt weiß man: Das reicht nicht.


The Rolling Stones: Making of „Let It Bleed“

Zwei ihrer größten Alben – "Beggar’s Banquet" und "Let It Bleed" – spiegeln eine Phase ihrer Karriere wieder, die von Konfusion, aber auch kreativem Aufbruch bestimmt war. Die Stones nahmen beide Alben zwischen 1968 und 1969 auf, verloren in dieser Zeit einen Gitarristen (Brian Jones), engagierten einen neuen (Mick Taylor), filmten den "Rolling Stones Rock And Roll Circus", tourten in den USA und gaben außergewöhnliche Konzerte in London (Hyde Park) und außerhalb von San Francisco (Altamont). Und sie waren damit beschäftigt, die sich überschlagenden Ereignisse der 60er Jahre selbst zu verarbeiten. Insofern konnte es nicht überraschen, dass "Let It Bleed"…
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