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Blackout Tuesday

TV-Kritik zum Erfurter „Tatort“: banal wie die Police Academy

Angeblich wurden „100 TV-Produzenten“ vom MDR gefragt, wie ein neues Ermittler-Team im „Tatort“ aussehen könnte. Und jetzt sieht es aus wie Friedrich Mücke, Benjamin Kramme und Alina Levshin, die im Film Henry Funck, Maik Schaffert und Johanna Grewel heißen. Thomas Jahn schrieb und inszenierte „Kalter Engel“ in Erfurt. Hier ist nicht gerade internationale Großkriminalität zu erwarten – und so ist der Krimi auch geworden: „Notruf Hafenkante“ trifft „Fünf Freunde“ und „Soko Leipzig“.

Verdächtig nah an einem „Polizeiruf 110“ mit Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner, geht es um leistungsfördernde Drogen, die Studenten im sogenannten Prüfungsstress konsumieren müssen, um mithalten zu können. Die Medikamente bewirken bei einem zombiehaft aussehenden Studenten allerdings merkwürdige Verhaltensweisen: Als die Polizei nachts in seine Wohnung einbricht, verfeuert er gerade Papiere im brennenden Mülleimer. Die naseweise Praktikantin Johanna Grewel weiß aus ihrem nicht lange zurückliegenden Studium, dass mancher unbescholtene Lernwillige vor lauter Druck zu verschreibungspflichtigen Pharmaka greift. Und weil die teuer sind, arbeitet manche Frau bei einem Escort-Dienst, um die Miete zu zahlen oder sich teure Klamotten zu kaufen. Dieser haarsträubende Schwachsinn gilt heute offenbar als gesicherte Erkenntnis – jedenfalls bei Drehbuchautoren. 

Den ermordeten Frauen wurden die Brustwarzen eingedrückt – ein schauriges Detail, das auf Ermittlungsarbeit nach Art von „CSI“ verweisen soll. Schuld am Tod der egozentrischen Callgirl-Studentin und Drogenverkäuferin war aber doch nicht der Wiederholungstäter Daschner, der aus dem Krankenhaus flieht und Schaffert mit einem Maschinengewehr durch die Erfurter Altstadt verfolgt, weil der ihm in den Oberschenkel geschossen hat. Es handelte sich vielmehr um einen Nachahmungstäter, der die gesamte Inszenierung des Killers am Flussufer spontan imitierte.

Funck und Schaffert residieren in einem modernen, hellen Protzbau mit Glastüren, der modisch-notdürftig eingerichtet ist. Im Kühlschrank lagern Flaschen mit Energy-Drinks, die sich die beiden coolen Hunde jeweils zuwerfen; für die Praktikantin bleibt ein Bürostuhl. Die Vorgesetzte Petra Fritzenberger bedrängt das Fähnlein Fieselschweif wie Zehntklässler, die einen Rüffel bekommen. Sie hat auch einen Grund dafür: „Die Medien“, jawohl, sitzen ihr schon im Nacken! Und der Professor mit der unheilbar kranken Frau im Rollstuhl, der sich bei der Prostituierten nur mal ausweinen wollte, darf wie bei „Der Alte“ mit Siegfried Lowitz nicht fehlen.



Kritik: „Der Elefantenmensch“ – 40. Jubiläum des Klassikers

Das erste Meisterwerk des Regisseurs David Lynch: „Der Elefantenmensch“. Der Schwarzweiß-Kinofilm aus dem Jahr 1980, nominiert für acht Oscars, erscheint zum 40. Jubiläum frisch restauriert in einer 4k-Fassung (Studiocanal Home Entertainment). „Der Elefantenmensch“ erzählt die wahre Geschichte des Joseph „John“ Merrick, im Film gespielt von John Hurt, der aufgrund seiner körperlichen Missbildungen auf den Jahrmärkten Englands vorgeführt wird. Nach seiner Befreiung versucht der Arzt Frederick Treves, verkörpert von Anthony Hopkins, Merrick in die viktorianische Gesellschaft Londons einzugliedern. David Lynchs Film ist ein bewegendes Plädoyer für Menschlichkeit und die Unantastbarkeit der Würde. Die ROLLING-STONE-Redakteure Sassan Niasseri und Arne Willander über ein…
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