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Politik-Blog

Unfrieds Urteil: Respekt, Til Schweiger!

Wenn ein Foto von Sigmar Gabriel und Til Schweiger in sogenannten sozialen Netzwerken gepostet wird, muss man den Hohn nicht bestellen. Der eine war doch mal „Popbeauftragter“ der SPD, der andere macht „kommerziell“ erfolgreiche Filme: Also draufhauen. Wenn zwei solche Chargen zum Thema Flüchtlinge miteinander sprechen, dann ist das doch sicher Inszenierung und PR.

Ach, Gottchen. Selbstredend will SPD-Chef Gabriel etwas, wenn er den berühmten Schauspieler trifft und der aus der SPD ausgetretene Schweiger will etwas, wenn er den Vizekanzler trifft. Inhalte und Inszenierung, Wahrhaftigkeit und Promotion gehen fließend ineinander über. Das zu wissen, ist keine kritische Haltung, sondern Grundschulvoraussetzung, um irgendetwas zu raffen. Oder hinzukriegen.

Warum machen sich auch Linksintellektuelle über Schweiger lustig?

Wenn man sich ernsthaft mit dem Fall beschäftigt hat, ist einem ziemlich klar, worum es Schweiger mit seinem Plan geht, ein „Vorzeigeflüchtlingsheim“ zu bauen: Er will Flüchtlingen helfen. Simple as that. Er will das Richtige tun.

Dass sich nun Nazis oder Rechtspopulisten auf Schweiger stürzen, bietet sich an: Erstens vertritt er nicht ihre Position, zweitens ist er so berühmt, dass sie ihn als Trittbrett benutzen können, um mit ihren Positionen Öffentlichkeit zu erreichen.

Aber warum springen ihm so wenige von denen bei, die – verbal – auf der Seite des Guten stehen? Warum machen sich „Linksintellektuelle“, wie er dieses Milieu verkürzt nennt, auch jetzt lieber über ihn lustig oder mokieren sich aus ästhetischen Gründen über seinen jüngsten Talkshowauftritt im ZDF – ohne sich auf sein Anliegen einzulassen?

Populismus und Beleidigungen

Tja. Man muss zugeben, dass Schweiger es dem linksgrünliberalen Postbildungsbürgertum (also uns) nicht leicht macht. Er prollt vor sich hin, wird gern populistisch, wie im Fall seiner Sexualstraftäter-Auslassungen, er gibt an wie Graf Rotz, benutzt Worte wie „Spackos“. Er ist immer eine Spur zu nölig oder zu laut für die Geschmacksempfindungen der eingebildeten Mittelschicht. Und dann ist er auch noch dauerbeleidigt, weil er kein Oscar-Abonnement für seine Filme kriegt oder wenigstens das Land komplett vor ihm im Staub liegt, dessen erfolgreichster Schauspieler und Regisseur er ist.

Und da sind wir an einem heiklen Punkt, nämlich der Frage, wozu Teile der Gesellschaft Til Schweiger als Watschenmann brauchen. Oder Helene Fischer.

Man könnte sagen, das Abarbeiten an erfolgreichen Prominenten dient der Sozialhygiene, wie der verbrämt-kritische Witz im Sozialismus oder das ewige Gemeckere an den komplett unfähigen Chefs in den Büros. Bißchen Dampf ablassen, aber genau dadurch systemstabilisierend. Aber es geht auch um etwas sehr Unschönes, um die Verbrämung von Neid, unter dem Deckmäntelchen bildungsbürgerlicher oder gegenkultureller Ästhetik. Geleitet von der Frage: Wie kann so ein Spacko so einen Erfolg haben – und ich nicht? Letztlich läuft es auf eine reflexhafte Ablehnung derer hinaus, die mehr Geld, mehr Macht, mehr Ruhm haben.



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