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Unser Special: Die 100 besten Singer/Songwriteralben

In der guten alten Zeit trank der Songschreiber in seinem Atelier Champagner, bevor er ein paar Melodien summte und die Kadenzen genialisch auf dem Flügel nachspielte. Er trug feine Anzüge, war ein Salonlöwe und gab große Empfänge auf weitläufigen Grundstücken in den Hamptons, wenn ihm New York zu heiß wurde. Seine Lieder waren Gassenhauer, er schrieb für Musicals am Broadway und Filme in Hollywood, und er sah fantastisch aus. Im Jahr 1945 spielte Cary Grant den Songschreiber Cole Porter in  einem Film von Michael Curtiz. Der englische Beau war eine merkwürdige Besetzung, denn Porter war von kleinem Wuchs und zog ein Bein nach, und an rauschenden Festen nahm der homosexuelle Komponist selten teil. In den 30er-Jahren war Cole Porter der erfolgreichste Songschreiber der Welt, Lieder wie „Night And Day“ und „I’ve Got You Under My Skin“ waren Schlager. Er selbst sang freilich nicht. Ein anderer großer Komponist der Zeit, Hoagy Carmichael, schrieb beschwingte karibische Klavierstücke und spielte und sang sie im Film gleich selbst, etwa in Howard Hawks‘ „To Have And Have Not“: Dort begleitet er die laszive Lauren Bacall am Piano. Das New Yorker Brill Building war die Adresse für Songschreiber, die ein Angestelltenverhältnis eingingen: In der Schlagerschmiede Aldon Music von Don Kirshner arbeiteten Cynthia Weil und Barry Mann, Carole King und Gerry Goffin, Howard Greenfield und Neil Sedaka, und auch Neil Diamond begann dort Anfang der 60er-Jahre mit Akkordarbeit seine Karriere.

Die Aufgaben von Komponist und Texter waren meistens strikt getrennt, oft saßen die Duos nicht einmal im selben Raum. Burt Bacharach, der in den 50er-Jahren musikalischer Direktor der Konzerte von Marlene Dietrich gewesen war, schrieb die meisten seiner erstaunlichen Lieder mit dem Texter Hal David, dem „Do You Know The Way To San José?“, „What The World Needs Now Is Love“ und „Raindrops Keep Falling On My Head“ einfielen. Im Rock’n’Roll und in der Soul Music wurden so viele Songs gebraucht, dass Profis wie Jerry Leiber und Mike Stoller, die Brüder Holland mit Lamont Dozier, Mort Shuman und Doc Pomus ein Universum famoser Stücke schrieben, die das thematische Spektrum weit über Liebeslyrik hinausführten. „Hound Dog“, „Heartbreak Hotel“ und „Jailhouse Rock“ sind so großartig, weil sie eine neue Metaphernsprache einführten: Wie schon Cole Porters Lieder umkreisten sie subtil das Erotische und das Dionysische, indem sie die Schauplätze verlagerten. Rock’n’Roll wie Soul handelten von Verlangen und Rausch, verbrämten die Absichten aber spielerisch. Die Körpersprache von Elvis Presley und Jerry Lee Lewis freilich machte alle Semantik zunichte. Der Rock’n’Roll befreite den Körper – die Folk-Musik setzte den Geist in Bewegung, zunächst als Kritik der bestehenden Verhältnisse, dann als Vehikel der Introspektion. Musiker wie Dave Van Ronk etablierten im Greenwich Village in New York City eine Kultur des Kaffeehaus-Konzerts, bei dem Traditionelles ebenso zulässig war wie Selbstverfasstes. Bob Dylan war neben Fred Neil und Phil Ochs einer der Bilderstürmer der beginnenden Sechziger, deren Songs politischen Aplomb bekamen. Der Singer/Songwriter betrat die Bühne: eine einsame Stimme, oft mit Gitarre und Mundharmonika bewaffnet.



Die 100 größten Musiker aller Zeiten: Patti Smith - Essay von Shirley Manson (Garbage)

Patti Smith Von Shirley Manson Ich war 19 oder so als ich zum ersten Mal eine Platte von Patti Smith hörte. Das war „Horses“. Ich weiß noch, dass mich der Klang ihrer Stimme faszinierte, dieses Wilde darin. Später gefiel mir vor allem der intellektuelle und politische Gehalt ihrer Texte. Und ich mochte ihr Image, diesen völlig unglamourösen Look mit der Nagelscheren-Frisur. Sie ist eine Folksängerin, auf dieselbe Weise wie Bob Dylan. Mir gefiel, dass sie auch Gedichte schrieb, malte und fotografierte. Für sie war Musik nicht alles. Und sie wusste, was für eine Kraft in ihrem Image steckte, dass sie…
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