Videogalerie: Die „Breaking“-Acts des Eurosonic / Noorderslag


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Es stimmt schon: Für manche Acts braucht man keine gute Nase mehr, um vorauszusagen, dass sie ihren Runde in der Popwelt machen werden.

James Blake

ist so einer – er tauchte schon in der einflussreichen „BBC Sound of 2011“-Liste auf, wird als Remixer auf Hype Machine und Co. heiß gehandelt, für seine „Klavierwerke EP“ von der Musikpresse gefeiert, und er sorgte mit seinem Groningen-Auftritt für einen vollgepackten Club. Dass er zudem ein formidabler Sänger ist, beweist er mit diesem Song:

The Joy Formidable waren ein weiterer Hype des Festivals und sind alles andere als Newcomer. Die Waliser um Sängerin und Gitarristin Ritzy Bryan haben bereits zwei Alben draußen und setzen Ende Dezember zum „Big Roar“ (so der Albentitel) an, der via Warner erscheinen wird. The Joy Formidable mögen live ein formidables Vergnügen sein, offenbaren aber auf Langstrecke leider die ein oder andere Songwritingdurchschnittlichkeit. Das Fazit von Kollege Groß: „Gute Band, gute Bühnenpräsenz, weniger gute Songs und auf Dauer bisschen zu sehr Rock-Rock.“ Stimmt alles, vergisst man aber immer mal wieder kurz, z. B. wenn Miss Bryan so formidabel ihre Gitarre zerlegt, wie sie es in diesem Live-Clip tut:

Hierzulande sind Hundreds keine unbekannten mehr, umso schöner ist es, dass sich das Geschwisterpaar in Groningen nun auch vor internationalen Bookern präsentieren konnte. Eva und ihr sechs Jahre älterer Philipp Milner haben ihre eigenwilllige, bisweilen fragile, elektronische Songwritermusik auf zahlreichen Konzerten an den Indiemann und die Indiefrau gebracht und dabei von ihren guten Verbindungen zum Sinnbus-Label und zu den Machern des Immergut-Festivals profitiert. Kollege Groß dazu: „Sehr stimmungsvoll und atmosphärisch schön, tolle Sängerin (die allerdings leider barfuß auftritt), live auf Dauer bisschen eintönig.“ Da hat er leider Recht. Aber das lässt sich ja noch ändern, und überrascht sowieso ein wenig, da Songs wie „Let’s Write The Streets“ oder die Liebeserklärung an ihre Heimatstadt Hamburg „I Love My Harbour“ für sich genommen ganz wunderbar funktionieren:

Hundreds – Let’s Write The Streets | Live at Babylon, Berlin from Sinnbus on Vimeo.

Ein „Popstar in the Making“, der kurz vor der Vollendung steht, ist Clare Maguire – die ihren Deal mit Universal bereits in der Tasche hat und ab Frühjahr wohl zum Durchstarten in Position gebracht wird. Torsten Groß sieht sie „vor seinem geistigen Auge schon jetzt bei ‚Wetten Dass…? ‚“. Auch das aktuelle Video weist in diese Richtung – man fragt sich dabei nur, ob sie auch das gewisse Maß an Eigenständigkeit und Charakter mitbringt, um wirklich länger als ein Album oder eine Single im Gespräch zu bleiben.

Und hier noch eine Live-Version:

Island geht immer gut. So dürften also auch Retro Stefson ihr Publikum finden, auch wenn es sich aus Nordic Nerds rekrutiert, die alles aus Island und Skandinavien abfeiern. Aber immerhin die dürften ins Tanzen geraten, wenn die sechs jungen Musiker ihren Bastard aus Folklore, Pop und World Music auf die Bühne bringen. Das hatte sich wohl schon in Groningen rumgesprochen, denn dort war es dermaßen überfüllt, dass man kaum einen Blick auf das quirlige Treiben werfen konnte.

Der Guardian und der NME haben Yuck schon länger im Blick und bemerkten dabei süffisant, dass zwei der Yuck-Protagonisten schon zuvor mit der Band Cajun Dance Party als heiße Newcomer gehandelt wurden, später keinen Blumentopf gewannen und nach kurzer Lebensspanne schon wieder eingingen. Ein Schicksal, dass Yuck hoffentlich nicht ereilt. Zwar klingen sie streckenweise wie aus dem Shoegazer-Lehrbuch oder der Sonic Youth-Fibel (oder -BibelI) – zum Beispiel in ihrem neuesten Videoclip zu „Rubber“ – aber mit Songs wie dem frühen „Daughter“, das von einer auf Tape verteilten EP namens „Weakend“ stammt, beweisen sie, dass sie auch die leisen Töne sehr unkonventionell beherrschen und ihnen solch fiese kleine Herzensbrecher durchaus gelingen:

Yu(c)k – Daughter from Yuck on Vimeo.

Yuck – Rubber from Yuck on Vimeo.