Von den Alten lernen: Die Debüts von Dominik Schütte und Tino Hanekamp


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Lustig: Sogar Benjamin von Stuckrad-Barres „Soloalbum“ liest sich heute schon wie ein historisches Dokument. 1998 war es ja noch im Ansatz dissident, Oasis zu hören, die Pet Shop Boys ernst zu nehmen und über Studenten zu spotten. 13 Jahre später ähneln sich die Sozialisationsgeschichten alle viel zu sehr, findet jeder Bundestagskandidat im Netz die passenden Lieblingsbands, läuft auf dem iPod jeder zweiten Romanfigur das wildeste Zeug.

Die als Journalisten verdienten Roman-Debütanten Dominik Schütte („Neon“, „GQ“) und Tino Hanekamp („Spex“) müssen in ihren Büchern also ein Problem lösen: Wie schreibt man in den Stuckrad-Hornby-Regener-Doyle-Kosmos hinein (den die Verlage wohl im Blick hatten), ohne wie ein Neunziger-Schlafzimmer-Rebell zu klingen?

Schütte entwirft dazu in „Was würde der Boss tun?“ (Piper, 14,95 Euro) ein moralisches Roadmovie. Sein Held, T-Shirt-Designer und Springsteen-Fan, bricht nach New Jersey auf – weil nur Bruce almighty ihm sagen kann, ob er bereit für die Ehe mit Freundin Anna ist. Was so verdichtet leicht gequält klingt, liest sich dann wie eine schön illustrierte Reise zum Mittelpunkt des Seins, in der Springsteen-Songs eben nicht nur im Hintergrund dudeln, sondern selbst zu magischen Schauplätzen werden.

Hanekamp wiederum schöpft für „So was von da“ (KiWi, 14,95 Euro) aus seiner Erfahrung als Clubbetreiber (hier geht’s zur Leseprobe). Protagonist Oskar feiert an Silvester die öffentliche Abrissparty seiner Hamburger Konzertkneipe, die ebenso in Trümmer gehen soll wie sein Leben. Cohen und Scott Walker singen dazu, Männerfreundschaften rutschen in den Stresstest. Am Ende stellen beide sehr lesenswerten Bücher fest, dass Pop nicht nur als Übergangsritus taugt. Dass man ihn leben kann, ohne der ewige Junge bleiben zu müssen. Kann man traurig finden. Aber nicht albern.

Hier der Trailer zu „So was von da“: