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What’s up, Assholes? Tyler, the Creator live in Berlin


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Odd Future Wolf Gang Kill Them All (kurz: OFWKGTA, oder Odd Future) ist ein Hip-Hop- Kollektiv aus Los Angeles. Angaben über Mitgliederzahlen schwanken, es sollen circa 60 sein. Wilde, junge Skater, Produzenten, Videokünstler, Sänger und Rapper. Anarchische Irre, zynisch, talentiert, gegen das Establishment, gegen alle und jeden. Die Crew formt ihren eigenen ästhetischen Kosmos.

Dabei bedienen sie sich einfacher Prinzipien und erreichen größtmögliche Effekte. Über einen Tumblr-Account stellt die Truppe Solo-Alben, Mix-Tapes, Apps und Videos frei zur Verfügung. Typisch virale Grundsätze digitaler Auskenner. Ist das Interesse folglich groß, wird der Markt mit einem ‚echten‘ Release gekapert. Momentan bekanntester Odd Future Emporkömmling: Frank Ocean.

Doch Anführer und Gründer der Crew ist Tyler, the Creator. Sein erstes Album (oder besser: Mixtape) „Bastard“, war ein beängstigender Paukenschlag. Sein zweites, dann auf XL Recordings veröffentlichtes Album „Goblin“ wurde vom kontrovers rezipierten Video „Yonkers“ angekündigt. Ein enorm verstörender Clip: hymnische Aufmerksamkeit, Abscheu und Begeisterung bei Kritikern und Vertretern gedisster Minderheiten.

Am Karfreitag trat Tyler, the Creator nun im Berliner Festsaal Kreuzberg auf, um sein am 2. April erscheinendes Album „Wolf“ vorzustellen. Unlängst ausverkauft warten unzählige Kids vor dem Club und zahlen 50 Euro an die Hehler. Das am Eingang meist vorgezeigte Zertifikat ist an diesem Abend nicht der Personalausweis, sondern der Muttizettel.

Schon vor Neun Uhr wird das generelle Tanzverbot grob missachtet. Es riecht in der Halle erstmal nicht nach Gras, sondern nach dem Deodorant junger Mädchen und frisch geduschter Bürschchen. Wartende Chöre aus den vorderen Reihen: Wolf Gang, Wolf Gang, Wolf Gang! – während die älteren Semester noch an der Garderobe stehen.

Tour-DJ Taco betritt die Bühne und erhöht die Raumtemperatur auf Sauna-Niveau. Weil heute keine Plattenspieler mehr bedient werden müssen, kann auch der Anheizer in der flehenden Menge baden, in gereckte Händchen klatschen und erste Wasserflaschen in dehydrierte Mäuler leeren. Vielversprechende Ekstase also. Bei früheren Gigs kam es regelmäßig zu Ausschreitungen. Konzerte wurden mitten im Set gestürmt und abgebrochen. Crewmitglieder übergaben sich auf die Bühne, Gewalt und Halli-Galli.

Am traurigsten Tag des christlichen Kults verhält sich Tyler, the Creator dennoch vergleichsweise human: „What’s up Assholes?“ – als passende Anrede für das Berliner Publikum. Er scheint zwar sichtlich mitgenommen, fällt während des Sets aber nie in Luftlöcher. Einziger Sidekick ist Jasper Dolphin, der angenehm dezent im Hintergrund bleibt, nicht störend Verse zergrölt.

Redselig wird das schlimme Wetter kommentiert, Zurufe werden erwidert. Tyler flirtet und scherzt. Weniger Anarcho als Profi ist er dem Fuck-it-All-Draufgängertum entwachsen. Beherrscht gekonnt das dramaturgische Konzept einer gelungenen Rap-Performance. Fast höflich kündigt er neue Songs an, interagiert, anstatt pure Zerstörung über die Menge zu gießen. Trotzdem rasten die Kids von Beginn an aus. Auch ohne wilde Horde als Rückendeckung ist der Auftritt intensiv und voller Wucht. Tyler reißt die Songs zum Großteil nur an. Lässt die Menge eine Minute ausflippen, kurz still stehen – und weiter geht’s. Ein Rap-General kommandiert seine Soldaten. Zuckerbrot und Peitsche. Ältere Songs wie „French“ oder „Yonkers“ funktionieren dabei ebenso wie neue. „Cowboy“ klingt wie ein süß-hinterhältiger Alptraum. „Jamba“ und „Domo23“ sind brutale Banger, werden frenetisch gefeiert. 

Neben dem Umstand, dass die große Crew Tylers Tour nicht begleitet und auf Features verzichtet wird, also die Songs gar nicht voll ausgespielt werden können (auf dem neuen Album Wolf gastieren u.a. Frank Ocean, Erykah Badu, Pharrell und Laetitia Sadier von Stereolab), zeigt sich genau diese Art von Snippet-Performance als treffendes Konzept.

Einerseits feuern Kurzstreckenraketen in Richtung Magengrube und erzeugen ein vibrierendes Echo. Hier können Texte auf dem Album analysiert werden, wenn man sie nicht eh schon auswendig kennt. Es geht um pure Schlagkraft und das Feiern eines Mythos, das Verschmelzen zur Wolf Gang. Andererseits setzt der Beat im Lauf der Performance oft plötzlich aus. Tyler rappt a capella ganze Strophen und verlagert innerhalb weniger Sekunden den Fokus von Effekt auf Inhalt. Sein bedrohlicher Bariton hallt gefährlich lange nach.


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