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Blackout Tuesday

Willander sieht fern: Anarchie beim Elternabend

Seit seinem Dienstantritt in München hatte Kommissar von Meuffels es nur mit Härtfefällen zu tun. Der Zugezogene war kaum angekommen, da musste er Jahrzehnte zurückliegende Kindesmorde aufklären und die Tötung der Frau eines Kollegen, zwischen Kartons entwickelte er eine manische Arbeitsweise, hatte Albträume, schlief zu wenig und wurde vom misstrauischen Hausmeister beäugt. In einem bayerischen Kaff musste er einen Mörder verteidigen wie Gary Cooper in „Zwölf Uhr mittags“; in einem U-Bahn-Schacht explodierte eine Bombe. Die nörgelnde Assistentin hat den stoischen Polizisten bereits verlassen – sie wollte auch mal Feierabend haben.

Weil der von Matthias Brandt gespielte Sonderling so ein sympathischer Kauz ist, müssen auch die Filme etwas seltsam sein. Dominik Graf, der beste deutsche Filmregisseur, nutzte seine Freiheit am Rand der Anarchie. Leander Haußmann war am Theater ein großer Krawallmacher und hat einige Kinofilme gedreht, die immer Klassenfahrten mit Freunden waren und auch so aussahen. Zuletzt gönnte er sich mit dem Schriftsteller Sven Regener „Hai-Alarm am Müggelsee“, eine Trash-Plotte mit Schauspiel-Prominenz, die er geich vor seiner Haustür drehen konnte.

Haußmanns „Polizeiruf 110: Kinderparadies“ ist möglicherweise eine Abrechnung mit der antiautoritären Erziehung, mit endlosen Elternabenden, vermeintlich liberalen, wohlsituierten SUV-Fahrerinnen und der links-alternativen Laberkultur. Für seinen konfusen Kammer-Thriller nahm Haußmann das Publikum als Geisel und mutete ihm einen aberwitzigen Plot zu, in dem ein verstörter Kindergarten-Leiter seine tyrannische Frau verliert, eine Chinesisch-Lehrerin tatsächlich Koreanerin ist und hysterische Megären dem rationalen Kommissar zusetzen. Die Satire auf geschraubte Eltern-Angelegenheiten und Wohlfühl-Pädagogik hat vergnüglich groteske Momente, doch die Verwicklungen bis zum brutalen Mord im Dauerregen sind unwahrscheinlicher als ein Agatha-Christie-Krimi. Das quälende Finale mit gepanzerten Polizisten in der Kita, von denen einer sich auch noch tolpatschig  verletzen und die Waffe stehlen lässt, zieht sich über unbegreifliche 20 Minuten.

Leander Haußmanns Kumpel Regener bläst am Ende die Trompete zum gesäuselten Dylan-Song „You’re Big Girl Now“. Wenn die alten Jungs mal wieder richtig Spaß haben wollen, könnten sie auch saufen gehen – daraus müsste sich dann wie von selbst Sven Regeners nächster Roman ergeben.



Kritik: „Der Elefantenmensch“ – 40. Jubiläum des Klassikers

Das erste Meisterwerk des Regisseurs David Lynch: „Der Elefantenmensch“. Der Schwarzweiß-Kinofilm aus dem Jahr 1980, nominiert für acht Oscars, erscheint zum 40. Jubiläum frisch restauriert in einer 4k-Fassung (Studiocanal Home Entertainment). „Der Elefantenmensch“ erzählt die wahre Geschichte des Joseph „John“ Merrick, im Film gespielt von John Hurt, der aufgrund seiner körperlichen Missbildungen auf den Jahrmärkten Englands vorgeführt wird. Nach seiner Befreiung versucht der Arzt Frederick Treves, verkörpert von Anthony Hopkins, Merrick in die viktorianische Gesellschaft Londons einzugliedern. David Lynchs Film ist ein bewegendes Plädoyer für Menschlichkeit und die Unantastbarkeit der Würde. Die ROLLING-STONE-Redakteure Sassan Niasseri und Arne Willander über ein…
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