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Willander sieht fern: ‚Die Königin von Versailles‘

Am Anfang des Films sitzt David Siegel auf einem Thron, seine Frau Jackie hat es sich auf seinem Schoß bequem gemacht. Beide versuchen zu lächeln. Er ähnelt Fritz Wepper, seine Nase ist ein wenig gerötet. Sie ist der Typ langbeinige Blondine, ehemalige Miss Florida, ihre Brüste sind überdimensional groß. Er gibt sein Alter mit 74 Jahren an, sie will 42 sein. Jackie ist Davids dritte Frau, sie gebar ihm sieben Kinder, eines – ihre Nichte – wurde aus Mitleid adoptiert.

David Siegel besitzt zu diesem Zeitpunkt, 2007, eines der größten Timesharing-Unternehmen der Welt mit 28 Objekten. Timesharing bedeutet, dass Menschen, die wenig Geld verdienen, mit anderen Menschen, die wenig Geld verdienen, ein geräumiges Apartment etwa in einem Hochhaus in Las Vegas erwerben, in dem sie dann 14 Tage im Jahr Urlaub machen dürfen. Die Schulden zahlen sie lebenslang ab. Dafür fühlen sie sich zwei Wochen im Jahr nicht so arm, sagt David Siegel, denn sie blicken auf Las Vegas. Und die PH Towers von Westgate haben die hellste Leuchtreklame der Stadt. Kürzlich rief Donald Trump bei Siegel an und beklagte sich darüber. 

Die Siegels wohnen in Orlando, Florida, auf 2500 Quadratmetern und beschäftigen zehn Angestellte, doch die Behausung ist zu eng geworden. Jackie hat einen Raum für ihre Schuhe, sie hegt zwei Spitz-Hunde, und deren Vorgänger liegen ausgestopft auf dem Klavier und unter Glas. Die philippinischen Kindermädchen brauchen auch Platz. Gäbe es keine Nannies, sagt Jackie, hätte sie nicht so viele Kinder bekommen. Ein paar Kilometer weiter lassen sie jetzt das größte Privathaus der USA bauen, 8000 Quadratmeter, mit Baseballfeld, zwei Tennisplätzen, Sushi-Bar, Fitness-Räumen und einer Empore für ein Orchester. David entwarf das Schloss nach einem Blick auf Versailles auf einer Postkarte. Der Marmor für fünf Millionen Dollar wurde zunächst eingelagert, ebenso die Antiquitäten aus aller Welt („Wie heißen noch mal diese russischen Eier?“) und Jackies Kroko-Schuhe für 17 000 Dollar.



Podcast: 1986 im Kino – „Platoon“, „Top Gun“, „Highlander“, „Pretty in Pink“ …

Freiwillige Filmkontrolle widmet sich in Teil 2 der großen 1986er-Retrospektive folgenden Filmen: Platoon The Mission Pretty In Pink Labyrinth Top Gun Highlander Staatsanwälte küsst man nicht Gefährliche Freundin Sassan Niasseri und Arne Willander im Podcast: Hier die aktuelle Folge anhören. FFK-Weiterhören: 40 Jahre „Der Elefantenmensch“ „Beastie Boys Story“ Unorthodox“ – Kunst oder Kitsch? „Tiger King“ „Der Schacht“, „The Mandalorian“, „Der Unsichtbare“ 1986 – das magische Kinojahr Corona-Krise: „Contagion“ und „Outbreak“ 1985: Goonies, Mad Max, McFly und Co. 1985 auf dem Prüfstand – Teil 1 Oscars 2020: der Check „Uncut Gems“ – DER Oscar-Snub! „Picard“ – das neue „Star Trek“-Highlight Die…
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