Highlight: Oscars: Alle „Bester Film“-Gewinner von 1990 bis 2019 im Ranking

Der Probierer

Zum 80. Geburtstag von Warren Beatty: Meistens geht etwas schief

In 55 Jahren trat Warren Beatty in 23 Filmen auf. Er ist ein Gelegenheitsproduzent, ein Gelegenheitsregisseur, ein Gelegenheitsdrehbuchautor. Man könnte sagen: Er hat jede Gelegenheit genutzt, um mit schönen, aufregenden und berühmten Frauen zusammen zu sein – mit Natalie Wood, Joan Collins, Isabelle Adjani, Diane Keaton, Madonna, Anette Bening. Die Filme aber machte er mit Männern – es ist eine Geschichte der Männerfreundschaften, der Symbiosen, Mesalliancen und Zerwürfnisse.

Der Regisseur Joshua Logan entdeckte ihn in den späten 50er-Jahren für den Broadway, Elia Kazan engagierte ihn 1961 für den Film „Splendor In The Grass“, mit Arthur Penn drehte er 1967 „Bonnie und Clyde“, er legte sich bei „McCabe und Mrs. Miller“ mit Robert Altman an, er förderte James Toback, Robert Towne und Hal Ashby, er freundete sich mit Jack Nicholson an, er ermöglichte, versuchte und probierte. Den Oscar bekam er nicht als Schauspieler, sondern als Regisseur – für „Reds“, 1982, das Großprojekt eines Hollywood-Liberalen, so wie auch Robert Redford, der andere Frauenschwarm und Hollywood-Liberale, einen Oscar nicht als Schauspieler, sondern als Regisseur bekam. Und einen Oscar für ihr Lebenswerk bekamen beide Männer später dazu.

Beatty änderte „Bonnie und Clyde“

Waren Beattys Schwester ist Shirley MacLaine – die Mutter war eine Schauspiellehrerin in Richmond, Virginia, und beide Kinder brauchten nur sehr kurze Wege zum Theater und zum Film, sie waren einfach zu gut. Beatty spielte 1959 in einer Fernsehserie mit dem bezeichnenden Titel „The Many Loves Of Dobie Gillis“. Nach Kazans „Splendor In The Grass“ und Robert Rossens „Lilith“ (1964) wurde er für „Bonnie und Clyde“ besetzt; Francois Truffaut war 1966 als Regisseur vorgesehen. Beatty mischte sich dann nicht nur in die Produktion ein und votierte für den jungen Regisseur Arthur Penn – er änderte auch den Film. Clyde Barrows Impotenz, die in einer Szene gezeigt werden sollte, wollte er nicht spielen: Beatty glaubte nicht, dass man ihm Impotenz glauben würde. Und das stimmte ja auch.

Warren Beatty als Clyde Barrow in „Bonnie & Clyde“
Warren Beatty als Clyde Barrow in „Bonnie & Clyde“

„Bonnie und Clyde“ begründete neben „Die Reifeprüfung“, „In der Hitze der Nacht“ und „Rat mal, wer zum Essen kommt“ das New Hollywood, wie man später merkte. „In der Hitze der Nacht“ und „Rat mal …“ sind nur halb neues Hollywood und gewannen die meiste Oscars. Aber Beatty stand auf der Agenda – und verzettelte sich immerzu. „Das einzige Spiel in der Stadt“ (1970), „Der Millionenraub“ und „The Fortune“ (1975) sind weit unter Beattys Niveau; „Shampoo“ (1975) ist eine alberne Posse, an der Beatty jahrelang mit Robert Towne laborierte.

Entwickler und Antreiber

Beattys Regiedebüt „Der Himmel soll warten“ (1978), das Remake einer Lubitsch-Komödie, ist charmant, aber nicht inspiriert. Bei „Reds“, der Geschichte eines amrikanischen Journalisten in Russland, wollte Beatty alles allein machen und in Moskau drehen, und das machte er dann. Es war ein Oscar für schiere Anstrengung und Beattys eigentliche Rolle – die des Entwicklers, Antreibers und Agenten, der 1979 sogar die Kritikerin Pauline Kael als Produzentin von James Tobacks „Love And Money“ verpflichtete. Es wurde ein Desaster.

Warren Beatty und Annette Bening in „Bugsy“
Warren Beatty und Annette Bening in „Bugsy“

Mit Dustin Hoffman setzte Beatty 1987 die Klamotte „Ishtar“ in den Wüstensand, eine unfassliche Peinlichkeit. Die Comic-Plotte „Dick Tracy“ (1990) war mäßig erfolgreich, ebenso mäßig wie „Bugsy“ (1992), ein angestrengtes, überlanges Herzensprojekt mit Barry Levinson, Beattys Cumshot. Die wirre Polit-Satire „Bulworth“ wurde 1998 etwas übertrieben gefeiert. Beattys jüngster Film, „Regeln spielen keine Rolle“, wurde im letzten Jahr kaum bemerkt.

Oscar-Auftritt

Aber der Auftritt Beattys mit Faye Dunaway bei der Oscar-Verleihung im Februar, zum 50. Jubiläum von „Bonnie und Clyde“, wurde bemerkt: Beatty öffnete den falschen Umschlag, um den Preis für den besten Film auszurufen, und hielt die Karte zweifelnd Dunaway hin, die dann den falschen Film, „La La Land“, vorlas. Später erklärte Beatty den Vorgang auf der Bühne sehr sachlich. In dieser Szene ist der ganze Beatty enthalten: Er hat immer die besten Absichten, aber es geht meistens etwas schief. Und lustig ist es meistens auch.

Warren Beatty lächelt und zeigt die Karte, auf der "Moonlight" steht. Jimmy Kimmel schaut bedröppelt.
Warren Beatty lächelt und zeigt die Karte, auf der „Moonlight“ steht. Jimmy Kimmel schaut bedröppelt.

Heute, am 30. März, wird Warren Beatty 80 Jahre alt.

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