Zum Tod von Alice und Ellen Kessler: Das Vermächtnis der legendären Zwillinge

Die Kessler-Zwillinge sind mit 89 Jahren gestorben. Ein Rückblick auf ihre außergewöhnliche Karriere und ihr gemeinsames Leben

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In den Nachkriegsjahren galten die Kessler-Zwilinge als Inbegriff der Anmut und der Harmonie. Keine Revue der 50er-, der 60er- und noch 70er-Jahre kam ohne Alice und Ellen Kaessler aus. Sie tanzten im Pariser Lido, sie tanzten in Rom, in Buenos Aires, im italienischen Fernsehen und im deutschen Kino. Sie sangen mit Peter Kraus und nahmen 1959 am Chanson-Contest teil. Der Zusatz „die kessen Zwillinge“ fehlte selten.

Frühe Karriere und internationale Erfolge

Als Kinder von Elsa und Paul Kaessler kamen sie am 20. August 1936 in Nerchau zur Welt und lebten bei Leipzig. Schon als Sechsjährige wurden sie zum Ballett, dann zur Operntanzschule angemeldet, wo sie 1950 die Abschlussprüfung bestanden. 1952 flüchteten sie nach Düsseldorf, wo bereits ihr Vater lebte. Sie tanzten im Palladium, dort entdeckte sie 1955 der damalige Direktor des hochberühmten Varietés Lido. Ihre Namen änderten sie in Kessler.

1960 gingen sie nach Italien, wo sie lange wohnten, und sangen neben den Kraus-Liedern auch französische und deutsche Texte. In den USA waren sie an der Seite von Frank Sinatra und Burt Lancaster zu sehen (und 1963 in der „Perry Como Show“). 1975 erschienen sie nackt auf Fotos im italienischen „Playboy“. Dem Vernehmen nach war das Heft nach einem Tag ausverkauft.

Späte Jahre, Medienpräsenz und gemeinsame Lebensgeschichte

Die Kessler-Zwillinge gehörten zum Inventar der deutschen Talkshows; noch 2009 traten sie tanzend in einer Fernsehshow auf. Seit 1986 lebten die unverheirateten Schwestern in einem Doppelhaus in Grünwald mit gemeinsamem Eingang. Alice, die um eine halbe Stunde Ältere, sagte über diese Verbindung: „Ellen ist der Motor, und ich trete auf die Bremse.“

Nun sind die legendären Zwillinge im Alter von 89 Jahren gemeinsam in ihrem Haus in Grünwald gestorben.