Zum Tod von Dirk Bach: Der göttliche Komödiant

In der künstlerischen Frühphase von Dirk Bach, kurz nach der Schulzeit an der Gesamtschule Köln-Chorweiler, gab es zwei zentrale Orte: Die Theaterkneipe „Filmdose“ im örtlichen Uni-Viertel und die „Studiobühne“ in der Alten Mensa der Universität Köln.

Hier trafen sich in den frühen 1980er-Jahren jene Subkulturen, welche die kreative Basis heutiger Profi-Medienunternehmen von Brainpool Productions (Stephan Raab und Co), Grundy Light Entertainment (DSDA, X-Factor) bis hin zum Sender RTL bildeten. Sozusagen die Indie-Vorstufe des späteren Kommerzfernsehens. Besonders in Walter Bockmeyers „Filmdose“ kam noch die schwule Komponente hinzu. Eine Zeit, in der Transen, Punks, Ledermänner, Studi-Nachtschwärmer und Wave-Mädchen in Stretch-Miniröcken vereint am Tresen standen. Jeder probierte damals seinen eigenes Punk-Prinzip aus. „Do it yourself“ am Rhein! 

In dieser Ursuppe gab der rundlich-exzentrische Dirk Bach den bunten Kugelfisch, der uns oft genug mit spontanen und wirklich witzigen Spontangags bespaßte.    

Seine selbst kreierten Outfits changierten zwischen niedlich und albern. Trash-Ästhetik der besonderen Art. Bachs imposantes Lachen übertönte damals das Dr-Feelgood-und-Marianne-Rosenberg-Musikprogramm in der „Filmdose“. Wir als junge Buzzcoks- und Clash-geprägte Oberschüler schätzten den zumeist humorig-theatralisch-überdrehten Bach in diesem sehr kölschen Popkultur-Underground als echtes „Orjinal“. Nach diversen Bühnenstücken in der „Alten Mensa“ feierte Bach mit Bockmeyers kreischbuntem Kammertheater „Die Geierwally“  gemeinsam mit seinem Kollegen Ralph Morgenstern erste Erfolge, die sehr bald überregionale Kreise zogen. Der massiv herauf dämmernde Boom der kommerziellen TV-Sender spülte auf diese Weise viele Talente vom Kölschtresen übers Studententheater direkt ins Abendprogramm. Auch Talk-Altmeister Alfred Biolek und seine ehemalige WG-Genossin Hella von Sinnen verkehrte in diesem sehr rheinischen „Milljöh“.

Dass Bach bei all seinem Blödeltalent auch ernste und durchaus „deepe“ Charaktere spielen konnte, hat er mehr als einmal bewiesen. Während ihn die Fernsehnation als RTL-Dschungelshow-Einpeitscher oder schrillbunte Ulknudel kannte, glänzte er seit den 1990er-Jahren mit Klassiker-Interpretationen als Ensemble-Mitglied des Kölner Schauspielhauses. Von Molière zu Sitcom-Figur „Lukas“ und zurück zu Heiner Müller war für Bach nur eine Frage der Konzentration. Mit seinem anarchistischen Kunst- und Kulturverständnis war er zudem ein wirklich guter Typ, der (um diese Binse ganz bewusst zu gebrauchen!) das Herz genau auf dem richtigen Flecken trug.



Das „Dschungelcamp“ ist großes absurdes Theater

Jetzt berichten wieder alle über das „Dschungelcamp“. Auch ROLLING STONE. Warum nur - gibt es nicht wichtigere Themen, die dieses Land bewegen? Sicher gibt es die. Aber der Erfolg dieses eigenartigen Sendeformats ist es, dass es trotz Mediantamtams völlig falsch eingeschätzt wird. Eigentlich sollte man annehmen, dass es sich hier um einen weiteren Tiefpunkt in der nach unten offenen Skala des Selbstentwürdigungstheaters handelt, das die Privaten und besonders RTL seit Jahren kultivieren. Aber das wäre zu einfach. Längst wärmt sich eine ganze Nation an diesem Fernsehlagerfeuer. In der Spitze sehen bis zu acht Millionen Menschen dem bunten Treiben im australischen…
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