Das offizielle T-Shirt zur US-Tour von Neil Young And Crazy
Horse ist mit den Worten "Equal parts past, present and future" bedruckt. Das ist
nicht bloß ein leerer Slogan. Während des furiosen zweistündigen Sets im Hard
Rock Pavilion in Albuquerque tauchten Neil Young und Crazy Horse tief ein in
ihren an Klassikern nicht armen Back Katalog. Aber sie ließen ebenso viel Raum
für das Material von Youngs kommenden Abum mit Crazy Horse - das vermutlich
noch in diesem Jahr die Plattenläden erreichen wird. Lediglich das Wort
"present" wirkte am Ende deplaziert - es wurde nämlich nur ein Song
vom aktuellen Folk-Cover-Album "Americana" gespielt.
Die
meisten Künstler von Youngs Kaliber würden es nicht wagen, ihr Publikum mit so
vielen Songs zu konfrontieren, die sie noch nicht kennen können - aber Young
hatte schon immer das tiefe Vertrauen in seine Fans, dass sie ihm folgen, wohin
auch immer er aufbricht. Als er 2003 das letzte Mal mit Crazy Horse auf Tour
war, mag er das ein wenig überrissen haben, als er das Publikum durch seine
Rock Oper "Greendale" schickte, die erst zwei Monate später
erscheinen sollte. Die drei Oldies, die er damals noch eben als Zugabe spielte
- vermochten es nicht, all jene ruhigzustellen, die später grummelten, sie
wären über den Tisch gezogen worden.
Nun denn, diese Show verließ niemand mit Beschwerden auf den
Lippen. Die Band enterte um 21 Uhr die Bühne, klopfte sich auf die Schultern
und wärmte sich mit einem 13-minütigen Jam von "Love And Only Love"
aus dem Jahr 1990 auf. Es war ihre erste gemeinsame Show seit über acht Jahren
(die längste Pause in den 43 Jahren, die sie zusammenspielen) - aber
eingerostet wirkten sie in keinem Moment. Young, Bassist Billy Talbot,
Gitarrist Frank "Poncho"
Sampedro und Drummer Ralph Molina waren von der ersten Minute an drin und
ließen den Song mit ohrenbetäubenden Feedbacks und Verzerrungen aufheulen. Es
ist ein kontrolliertes Chaos, in das sich Young und sein Band da hineinspielen,
und es war wundervoll, Young mal wieder dabei zusehen zu dürfen - lange genug
hat es ja gedauert.
Es
folgte "Powderfinger" von "Rust Never Sleeps - und es sah
zuhnächst aus, als sollte es eine Greatest Hits Show werden, aber dann schlugen
sie den ersten Haken. Es begann mit einem brandneuen Song, der vermutlich
"Ontario" heißt - eine nostalgische Reise durch Youngs Leben mit dem
Refrain "I was born in Ontario". Je älter Young wird, desto mehr
scheint er auf seine jungen Jahren zu schauen, um Inspiration zu finden.
Der
Titel des nächsten Songs war unverständlich - es könnte "Walk Like A
Giant" gewesen sein - aber er begann und endete mit Young und Sampedro, die
gemeinsam ins Mikro pfeifen. Einer der kraftvollsten Songs, die Young seit
Jahren geschrieben hat. Der Feedback-Ausklang dauerte fast fünf Minuten, mit
einem Molina, der wie ein wütender Krieger auf sein Drumkit einschlug. Wir
hoffen, der Rest des neuen Albums kann mit dieser Nummer mithalten!
Crazy
Horse verließen die Bühne, als ein Roadie Young eine Aktustikgitarre reichte.
Young spielte eine Singalong-Version von "The Needle And The Damage
Done" und einen neuen Song über den Moment, als er zum ersten Mal
"Like A Rolling Stone" von Bob Dylan gehört hat. "Poetry rolling
off his tongue like Hanks Williams Jr. bubblegum", sang Young,
"Asking me, 'How does it feel?'" Die Band kehrte zurück mit Poncho am
Keyboard, um den verrückt-obskuren Studio-Outtake "I Wonder Why" von
1981 zu spielen. Es wirkte ein wenig schlaff. Es folgte ein weiterer eher mauer
Song, bevor sie die Menge mit einem kurzen aber wundervollen "Cinnamon
Girl" wieder packten.
Spätestens
jetzt war die Band in voller Flamme - und die erlosch erst am Ende der Show.
"Fuckin' Up" war der absolute Wahnsinn, und sie wirkten wie im
Rausch, als sie mit überschlagender Stimme immer wieder "Just a fuck
up!" bellten. Young rief dann "Buffalo Springfield!", bevor er
ein intensives "Mr. Soul" zum Besten gab, gefolgt vom unvermeidlichen
"Hey Hey, My My". Poncho mag ein wenig zugelegt haben seit der
letzten Tour, aber hier sprang er herum wie ein aufgedrehter Teenager und
grinste bis über beide Ohren. Neil sah wie besessen aus, als er vornübergebeugt
ein Solo nach dem anderen raushaute und seine berühmtesten Line in die Welt
schrie: "It's better to burn out than fade away."
Am
Bühnenrand sah man die ganze Nacht ein Piaono unter eine großen Lampe stehen,
aber seltsamerweise ging Young nie in seine Nähe. Stattdessen eröffnete er die
Zugabe mit "Jesus Chariot (She'll Be Coming Round the Mountain)",
bevor er mit "Roll Another Number" den Sack zu machte. Der Song aus
dem Jahr 1973 handelt davon, die Vergangenheit zu ehren aber hinter sich zu
lassen - es war der perfekte Abschluss für diese Show.
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