- 07. Februar 2012
von Rüdiger Knopf
Alben
Shearwater
Animal Joy
Foto:
Sub Pop
Shearwater - "Animal Joy"
Nicht alle Texaner sind intellektuelle Geisterfahrer, nicht alle
Gutmenschen Langweiler. Und nicht jedes üppiger produzierte Album
ist eine unappetitliche Breitseite klanglicher Fettmacher. Gegen
solche Klischees musizieren Shearwater, 1999 von Will Sheff als
Nebenprojekt von Okkervil River gegründet, seit jeher an. Nicht um
ein Grad beugt sich die Band aus Austin der Behauptung,
Authentizität gehe stets Hand in Hand mit einem puristischen
Konzept. Nein, ihre Methode ist der samtig grau schimmernde
Schönklang.
In all dem warmen, mit feinen Extras (Keys, Klarinette, Saxofon, Harp) aufgepolstertem Country/Folkrock-Grundpochen aus Piano, Gitarre, Bass und Drums schwingen sich die Songs bei gelegentlichem Feedback-Zerren und einem Hauch von Electronica zu leidenschaftlichen Plädoyers auf: gegen den ruinösen Umgang mit der Umwelt und die Entfremdung von echten, in der Natur harmonisch ankernden Bedürfnissen.
Es mag irritieren, dass Vogelkundler Jonathan Meiburg, seit Sheffs Abschied zu "Rook" (2008) alleiniger Spiritus Rektor von Shearwater, mit einem artifiziellen Timbre singt, das wechselweise an Bryan Ferry, Morten Harket, Donnie Munro oder Jeff Buckley erinnert. Aber gerade dieser pathetische, seltsam zerbrechlich flirrende Ton, der schwerelos in die Kopfstimme gleitet, sorgt bei "Animal Life" oder "Open Your Houses" für emotionale Überzeugungskraft. In "Insolence" beschwert er sich an allerhöchster Stelle über fehlenden Widerstand gegen die Anmaßung der Menschen, sich alle Welt untertan zu machen: "Where were you in our life? A silent crucifix." Verwurzelt leben, rückwärts klingen, vorwärts denken. Kann man so machen.
Shearwater live:
16.04.2012 Dresden - Groove Station
17.04.2012 Hamburg - Prinzenbar
18.04.2012 Berlin – Comet
Hier gibt's einen Song vom Album for free:
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