Serie der Woche: „The Paper“
Dem Tageszeitungs-Redakteur beim Scheitern zuzusehen ist lustig – aber macht auch wehmütig ...
Wer „The Paper“ sagt, muss auch „Lou Grant“ sagen. Allerdings spielt „The Paper“ nicht in den 1970er-Jahren, als die Tageszeitungswelt noch in Ordnung ist, sondern 2025. Und erzählt nicht von der „Los Angeles Tribune“, sondern vom „Toledo Truth Teller“. Was einst ein stolzes Nachrichtenimperium war, ist jetzt nur noch der Spielplatz für ein kleines Häuflein Amateur-Redakteur:innen, das so sehr damit beschäftigt ist, Agenturmeldungen auf Seiten zu ziehen, dass es gar nicht mitbekommt, wenn nebenan ein Hochhaus brennt. Ob das der neue Chefredakteur Ned Sampson (Domhnall Gleeson) ändern kann, der wie ein eifriger kleiner Bruder des „Tribune“-Lokalchefs Lou Grant noch an die Macht des Journalismus glaubt? Eher nicht.
Denn wer „The Paper“ sagt, muss auch „The Office“ sagen. Tatsächlich ist diese Serie ein Sequel des Workplace-Satiren-Klassikers. Auch sie ist eine Mockumentary, gibt vor, sich nur deshalb nach Toledo, Ohio, verirrt zu haben, weil sich ein Dokumentarfilmteam auf die Spuren der Dunder Mifflin Paper Company (ja, richtig, dem Arbeitgeber von Michael, Pam, Jim und Co.) begibt, und herausfindet, dass diese inzwischen von einem Unternehmen aufgekauft wurde, das Papierprodukte jeglicher Art vertreibt – vom Klopapier bis zur Tageszeitung.
Und so darf man Ned Sampson dabei zuschauen, wie er täglich scheitert – am Geiz des Geschäftsführers, an der Unfähigkeit des Personals, am Desinteresse der Leser:innen. Greg Daniels und Michael Koman bevölkern das Großraumbüro in der achten Etage des Toledo Truth Tower mit ähnlich skurrilen Figuren wie denen, die sich in den „The Office“-Fluren tummelten. Irgendwo ruft immer jemand: „I’m on a deadline.“ Und so sehr sich die Serie über die Sisyphos-Arbeit dieser Menschen lustig macht, so sehr setzt sie doch dem, was Journalismus einst war, wehmütig ein Denkmal. (Sky)