Bob Dylan in Glasgow: Warum ein Superfan plötzlich gehen musste

Bob Dylan spielt starke Shows in Glasgow – und ein bekannter Fan wird aus der Halle geworfen. Wie es zum Daily-Dylan-Eklat kam

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Im Rahmen seiner Dauer-Power-Tour, die ihn (wie berichtet) jüngst auch nach Deutschland geführt hat, gastierte Bob Dylan am 16. und 17. November in Glasgow in der SEC Armadillo Arena.

An beiden Abenden zeigte der 83-Jährige eindrucksvoll, dass er weiterhin mit voller Präsenz und künstlerischer Risikobereitschaft auf der Bühne steht. Die schottische Tageszeitung „The Herald“ befand, Dylan sei „noch immer ausgesprochen sehenswert und weiterhin voller Spaß und Spielfreude“.

Das Magazin „Uncut“ beschrieb die Konzerte als „hochspannende Gratwanderung: wie eine Akrobatentruppe, die den Drahtseilakt beginnt, während das Seil noch gespannt wird. Alles könne jederzeit kollabieren – doch Dylan, der sich beim Herauskrächzen einzelner Zeilen sogar selbst zum Lachen brachte, treibe das Experiment unermüdlich weiter.

Besonders am zweiten Abend sei ein „frisch geborenes, verrücktes Arrangement“ zurückgekehrt, nun jedoch gewachsen zu etwas „größerem, seltsamerem“ – ein Set voller Funken, Ecken, Kanten, „Federn und Schuppen“.

Dylan verführt Kritiker und Bewunderer weiterhin zu poetischen Beschreibungen seiner Auftritte.

Vorfall vor Konzertbeginn

Für Aufsehen sorgte jedoch ein Vorfall abseits der Bühne: Daniel Hildebrand, Betreiber der populären „Daily Dylan“-Accounts mit über 55.000 Followern auf Instagram, 48.000 auf Facebook sowie weiteren Social-Media-Präsenzen, wurde vor Beginn des Konzerts am Montag aus der Halle verwiesen.

Hildebrand schreibt, er sei zur „persona non grata“ erklärt worden – mutmaßlich wegen der Aktivitäten seines Profi-Fan-Accounts, der Setlists, Fanvideos und Fotos anderer Konzertbesucher teilt, ohne selbst eigenes Material aufzunehmen. Er gibt an, seine Plattform nicht zu „monetarisieren“.

In einem öffentlichen Statement kündigt er über „Daily Dylan“ an, künftig keinerlei Fotos, Videos oder Audio mehr von laufenden Tourneen zu posten; zudem erwäge man, die verschiedenen Accounts vollständig zu schließen. Die Entscheidung falle schwer, da sich um das Projekt eine große, engagierte Community gebildet habe.

Unklar bleibt, ob die Maßnahme vom Betreiber der Arena in Glasgow ausging oder vom „Team Dylan“ veranlasst wurde. Dylan selbst ist dafür bekannt, auf Social Media relativ lax mit Materialien aller Art umzugehen. Das Online-Magazin „Stereogum“ hat Dylans Management um eine Stellungnahme gebeten, jedoch bislang keine Antwort erhalten.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.