Zum Tod von Brigitte Bardot: Der letzte Star des alten Kinos

Ikone des Films, Chanson-Sängerin, Tierschützerin, Femme fatale: Brigitte Bardot ist mit 91 Jahren gestorben

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Kino heißt, schöne Frauen schöne Dinge tun zu lassen, sagte François Truffaut. Ein paar Jahre vor Truffauts erstem Film debütierte 1952 die 18-jährige Schauspielerin Brigitte Bardot.

Ein Jahr später spielte sie immerhin in einem Film von Anatole Litvak, 1955 in „Helen Of Troy“ von Robert Wise. 1956 wurde sie mit den Hauptrollen in „Ein Gänseblümchen wird entblättert“ und „… und immer lockt das Weib“ zum europäischen Symbol.

Symbol wofür? Sie verkörperte – wie Sophia Loren in Italien – den Typus der pragmatischen und eloquenten, quirligen und frechen Frau, die sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt.

Vom Fotomodell zum Weltstar

Brigitte Bardot wurde am 28. September 1934 als Tochter einer lothringischen Industriellenfamilie in Paris geboren. Schon mit 15 Jahren arbeitete sie als Fotomodell und wurde für den Film entdeckt. Die zweitberühmteste Blondine der Welt war eigentlich eine Brünette. Sie heiratete den späteren Regisseur Roger Vadim, mit dem sie bis 1957 zusammenblieb und der sie 1956 in „… und immer lockt das Weib“ inszenierte.

Brigitte Bardot belebte zunächst das alte Kino von Regisseuren wie Marc Allégret und Henri-Georges Clouzot – und wurde dann für einige spektakuläre avantgardistische Filme engagiert. Louis Malle drehte mit ihr „Privatleben“ (1962), und 1963 spielte sie in ihrem besten Film ihre schönste Rolle.

Meisterwerk mit Godard

„Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard ist sogar in der an Meisterwerken reichen Karriere des Regisseurs eine Besonderheit. Mit Michel Piccoli zeigt Bardot die Szenen einer Ehe, sie ist zugleich Kokotte und Diva. „Die Verachtung“ ist auch ein Film über das Kino selbst, wenn Fritz Lang einen Odysseus-Film dreht.

Für „Viva Maria!“ (1965) besetzte Louis Malle seine Lieblingsschauspielerin Jeanne Moreau neben Bardot, die Dreharbeiten fanden in Mexiko statt. Die beiden größten Stars des französischen Kinos mochten einander nicht und harmonierten schlecht in der Komödie. In Godards „Maskulin-Feminin oder Die Kinder von Marx und Coca-Cola“ (1966) hat sie einen Cameo-Auftritt.

Karriere als Chanson-Sängerin

Auch als Chanson-Sängerin reüssierte Bardot: Umwerfend interpretierte sie 1967 Serge Gainsbourgs „Harley Davidson“. Noch einmal spielte sie 1968 in einem Episodenfilm von Louis Malle. Nach 1970 wurden die Filme, in denen Bardot auftrat, immer schwächer. Mit Roger Vadim machte sie „Don Juan 73“, dann war Schluss für immer.

Rückzug und Tierschutz

Sie verkaufte den Besitz aus der Ehe mit Gunther Sachs, gründete eine Stiftung für Tiere und zog sich auf ihr Grundstück bei Saint-Tropez zurück. Fortan war sie eine etwas wunderliche Katzenfrau, deren Einlassungen zu Tierschutz und zuletzt zu sexuellen Übergriffen immer mal wieder Furore machten. Sie hatte radikale Auffassungen und formulierte sie kompromisslos. Hin und wieder sah man ein Foto von der immer noch schönen, nun ungeschminkten Dame.

Nun ist Brigitte Bardot, der letzte und größte Star des Kinos vor der Nouvelle Vague, im Alter von 91 Jahren an der Côte d’Azur gestorben.