Tool-Sänger will den Fans zuliebe (!) keine Handys bei Konzerten
Maynard James Keenan verbietet schon länger Smartphones bei Tool-Show. Jetzt erklärt er erstmals ausführlich, warum.
Bei Konzerten der Progressive-Metal-Band Tool herrscht seit Jahren ein striktes Handyverbot. Während viele Künstler inzwischen selbst zu Smartphones greifen und Mitschnitte ihrer Fans tolerieren oder sogar fördern, geht Sänger Maynard James Keenan bewusst einen anderen Weg.
In einem aktuellen Interview erklärte der Frontmann, warum ihm diese Regelung so wichtig ist – und warum es dabei seiner Meinung nach nicht um Kontrolle, sondern um Respekt geht.
Respekt statt Egoismus: Warum das Handyverbot dem Publikum dient
Im Podcast „Steve-O’s Wild Ride!“ machte Keenan deutlich, dass das Verbot vor allem dem Publikum zugutekommen soll. „Es geht nicht um uns, sondern um die Person hinter dir, die auf die Show schauen will“, sagte der Sänger. „Diese Person hat 70 Dollar für ein Ticket bezahlt und versucht jetzt, die Show durch dein Handy zu sehen. Das ist einfach unhöflich.“
Der Musiker kritisierte die Unachtsamkeit vieler Konzertbesucher, die sich der Auswirkungen ihres Verhaltens nicht bewusst seien. „Deshalb suchen wir uns ein paar Lieder aus und sagen: ‚Die dürft ihr filmen‘, aber ruiniert nicht den anderen den Rest der Show. Das ist egoistisch, und du bist dir deines Verhaltens gar nicht bewusst“, so Keenan.
Höflichkeit beginnt in der Kindheit – und gilt auch bei Konzerten
In dem Gespräch schlug der Sänger auch eine Brücke zu grundlegenden gesellschaftlichen Regeln. Er verglich das Filmen während eines Konzerts mit einfachen Benimmregeln, die man eigentlich bereits mit der Muttermilch aufsauge. „Als Kind lernt man so einiges von der Oma oder der Mutter. Da gibt es die gefährlichen und die höflichen Regeln“, erklärte er. Höflichkeit bedeute unter anderem, andere nicht zu stören und Rücksicht zu nehmen – und dazu gehöre für ihn auch, bei einem Konzert das Handy in der Tasche zu lassen.
Um seine Argumentation zu veranschaulichen, griff Keenan im Studio selbst zum Smartphone und richtete es auf Podcast-Host Steve-O. „Man zielt einfach und drückt ab“, kommentierte er trocken. Ein Beispiel dafür, wie schnell und gedankenlos Menschen heute ihre Umgebung filmen (und wie gewaltsam dieser Prozess eigentlich ist).
Hier das ganze Interview anschauen:
Feuerzeuge statt Handylicht: Keenan setzt auf Tradition
Das Handyverbot gilt nicht nur für Tool, sondern auch für Keenans andere Projekte Puscifer und A Perfect Circle. Fans, die Puscifer auf der kommenden Nordamerika-Tour im Frühjahr 2026 erleben wollen, sollten sich also auf ähnliche Regeln einstellen.
Keenans Haltung steht im Kontrast zu einem Zeitgeist, in dem Konzerte zunehmend durch Displays betrachtet werden. Auch für ein Lichtermeer im Publikum, für das Künstler heutzutage häufig ihre Fans auffordern, die Handytaschenlampen anzuknipsen, ist der 61-Jährige eher nicht zu haben. Da muss dann das gute alte Feuerzeug herhalten.