Das „Muppet Show“-Comeback ist genau das, was 2026 brauchte

Disney gibt Kermit, Gonzo und Co. endlich wieder den Rahmen, den sie verdienen.

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Auf die Idee, die „Muppet Show“ in originaler Besetzung und im völlig identischen Setting wie damals neu zu inszenieren, ist Disney jetzt erst gekommen? Eigentlich ist es ein Wahnsinn, wie lieblos der Micky-Maus-Konzern mit den Jim-Henson-Puppen umgegangen ist, seitdem sie wie all die Marvel- und „Star Wars“-Helden ins eigene, etwa spröde gewordene Portfolio übertragen wurden. Ein paar knallige Kinofilme und gut gemeinte, aber eher unlustige Spin-offs waren alles, was abfiel.

Doch jetzt ist die „Muppet Show“ zurück. Nicht ganz zum 50. Geburtstag und erst einmal nur für ein einmaliges Special. Aber wer diese vor Lust am Spiel und an Zoten sprühende Episode sieht, der kann keine Zweifel haben, dass es weitergehen muss. Kermit gibt wieder den überforderten Produktionsleiter, Gonzo geht in die Luft, Professor Bunsenbrenner lässt seinen Assistenten Beaker leiden und Waldorf und Statler verreißen hämisch, was sie gemütlich auf der Empore beobachten („Mein Arm tut weh.“ „Vom Applaudieren kommt es jedenfalls nicht.“).

Sabrina Carpenter ist als Gaststar ein Glücksfall. Nicht nur garantiert sie mit einem auf der Hand liegenden Plot um die Rivalität mit Diva Miss Piggy, dass in dieser atemlosen Nummernrevue wenigstens etwas Story enthalten ist. Sie ist auch die ideale Markenbotschafterin für die „Muppets“, die sich an jede Altersgruppe richten und sich dennoch für keine Anzüglichkeit zu schade sind.

Die „Muppet Show“ hält Hollywood und Co. den Spiegel vor

Die Kalauer mögen etwas schal sein – aber das waren sie früher auch schon. Was zählt, ist die Message, die satirisch gerundete Sicht auf den Wahnsinn des Show-Business‘. Seth Rogen fungiert als Produzent und wird in der Sendung natürlich lächerlich gemacht. Wie ein kleines Kind beklagt er, dass seine Leistung nicht gewürdigt wird. Die Helden sind hier eben die Puppen.

Das ganze Ambiente wirkt wie eine 1:1-Kopie des Originals aus den 70ern, selbst Vor- und Abspann wurden bis ins Detail zurückgeholt. Eine vergangenheitsverliebte Rückbesinnung? Auch, aber nicht nur. Viel mehr richtet sich das Konzept noch einmal mit Haut und Haar an all dem aus, das die „Muppet Show“ einst auszeichnete.

Wer auch nur eine Folge aus alten Zeiten gesehen hat, der erkennt alles sofort wieder. Selbst die in den ersten Episoden der ersten Staffel auffällig häufig eingesetzten Gesellschaftstanzszenen mit Knalleffekt sind wieder mit dabei. Das zeugt von großer Liebe und Ehrfurcht für die Vorlage.

Die Duett-Szene zwischen Miss Piggy und Sabrina Carpenter, aber auch das später von allen Muppets zum Finale Furioso intonierte „Don’t Stop Me Now“ von Queen sind Idikatoren einer heiteren Zeitlosigkeit, die man hinter dem Konzept immer vermutet, aber allenfalls durch das sarkastische „Muppets Tonight“ in den 90er Jahren bestätigt bekommen hat.

Die „Muppet Show“ muss weitergehen, denn etwas besseres hätte 2026, zumindest in der TV- und Streamingnische, nicht passieren können. Bliebe nur zu wünschen, dass auch die früheren Seasons bald bei Disney+ zu sehen sind (es gibt sie immerhin auf DVD), aber die verfahrene Rechtesituation in Deutschland spricht wohl leider dagegen.

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.