Romy Hiller und die Tagesschau: Wenn der Dresscode verrutscht, ist die Aufregung groß
Was bei der „Tagesschau“ geschah: Romy Hillers Outfit wurde unter Studiobeleuchtung durchsichtig. Warum HD-Kameras keine Styling-Fehler verzeihen.
Nachrichtensendungen im TV gelten als Hochamt der Seriosität. Nüchterne Information von Moderatoren in gedeckten Farben und klaren Schnitten. Doch wenn es mal Styling-Pannen gibt, die auch wegen der gnadenlosen Studiobeleuchtung entstehen können, ist das pharisäerhafte Lamento in klassischen und sozialen Medien groß.
So geschehen bei der aktuellen „Durchsichtig-Panne“ bei der „Tagesschau“. Sprecherin Romy Hiller, die seit Juni 2025 für Constantin Schreiber bei der ARD an Bord ist, moderierte in einem roten Blazer mit einem farblich passenden Oberteil. Was für die Studiocrew offenbar korrekt und harmlos wirkte, entpuppte sich unter der starken Scheinwerfer-Bestrahlung als heikler Stoff. Das Oberteil war durchscheinender als gedacht.
Der Bild-Zeitung und anderen war zudem aufgefallen, dass Hiller darunter offenbar keinen BH trug. Ein klassischer Fall von „Licht frisst Stoff“. Der Sender wollte sich zu diesem Vorfall bislang nicht äußern. Doch in sozialen Netzwerken war die Debatte über Dresscodes im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schon im Gange.
Wenn HD-Kameras keine Gnade kennen
Dabei ist die „Hiller-Panne“ kein Einzelfall, denn HD-Kameras verzeihen nichts und Studiolicht schon gar nicht. Kleidung, die im Alltag blickdicht wirkt, kann unter TV-Bedingungen transparent erscheinen.
Besonders betroffen sind laut Experten feine Seide und Chiffonstoffe, die im Gegenlicht durchsichtig werden. Helle Farben verlieren unter Hi-Tech-Scheinwerfern ihre Deckkraft. Mikro-Muster flimmern im Kamera-Einsatz oder verschwinden gar. Angewandte Physik im Alltag.
Gerade Nachrichtensprecherinnen stehen unter besonderer Beobachtung – Frisur, Schmuck, Lippenstift, Blazer-Farbe. Jede Abweichung vom Gewohnten wird registriert. Dass ausgerechnet Licht und Stoff eine Rolle spielen, wirkt fast wie eine unfreiwillige Metapher: Das Medium selbst sorgt für die Schlagzeile.
Hierzulande gab es in den 2010er-Jahren es um „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers, auch aufgrund neuer Licht- und Kamera-Technik, diverse Debatten Rakers um auffällige Blusen oder Styling-Details jenseits der Transparenz im Studio.
Internationale Vergleiche: Von den USA bis Italien
In den offiziell prüden USA kommt es immer wieder zu „Nippelblitzer-Vorfällen“, gerade in lokalen TV-Stationen, die keine großen Studio-Crews und Kostümabteilungen haben. Video-Schnipsel solcher Szenen verbreiten sich über YouTube und Boulevard-Portale.
Auch im Paparazzi-affinen Italien sind solche Pannen überaus beliebt. Einige Trash-Sender drehen den Spieß sogar um und locken die Zuschauer mit sexy Anmutungen auch im News-Gewerbe.
2021 wiederum berichtete RTL-Reporterin Susanna Ohlen aus dem Flutgebiet im Westen Deutschlands. Sie geriet in Kritik, weil sie sich vor einem Live-Einsatz mit Schlamm beschmierte, um authentischer zu wirken. Zwar kein Dresscode-Vorfall, aber ein Beispiel dafür, wie stark Kleidung im Nachrichtenkontext diskutiert wird – und wie schnell das Outfit Teil der Schlagzeile wird.
Die Geschlechter-Diskrepanz beim Dresscode
Auffällig ist, dass Männer im Anzug eher selten zum Thema werden. Solange Krawatte und Revers sitzen, gilt der Dresscode als normal und somit unsichtbar. Die Mode von Nachrichtensprecherinnen hingegen wird immer wieder zur eigenen Nebenschlagzeile.